Heimo Schwilk über Leben und Werk Martin Luthers

Heimo Schwilk beim Vortrag in der BdK

Der Publizist Heimo Schwilk stellte am 9. März 2017 vor über 100 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus (BdK) sein neues Buch „Luther – Der Zorn Gottes“ vor. Schwilk wählte für seine fast zweistündige Lesung verschiedene Ereignisse aus dem Leben des Reformators, vom zweifelnden Mönch über den Reichstag zu Worms bis zum späten Familienleben mit Katharina von Bora, um so ein großes Panorama von Leben und Werk zu zeigen. Wie bereits in seinen Biografien über Rilke, Hesse und vor allem Ernst Jünger, gelang es Schwilk auch mit diesem Werk, durch sein erzählerisches Talent, Martin Luther als Menschen aus Fleisch und Blut darzustellen und einen lebendigen Eindruck dessen Persönlichkeit zu vermitteln.

Der Luther-Biograf erklärte, daß er mit der Verlebendigung Luthers eine Art Heimholung einer großartigen, zugleich aber unheimlichen Persönlichkeit beabsichtigt habe. Luther sei angetrieben durch den Furor des Gottsuchers dem es von Anfang an allein um das Seelenheil gegangen sei, so Schwilk. Nicht „Wellness für die Seele“, sondern Rettung vor der ewigen Verdammnis sei die mittelalterliche Obsession des Mönchs aus Wittenberg gewesen. Sein eigentliches Anliegen die Hoffnung auf einen gnädigen, liebenden Gott.

Die „Freiheit eines Christenmenschen“ sei nicht die Freiheit, die sich alles herausnehme, was sie kriegen könne. Schwilk verwies darauf, daß Luther die Freiheit des Gewissens forderte und sich gegen den schrankenlosen Subjektivismus wandte. In diesem Verständnis ist das christliche Gewissen nur frei, weil es gebunden ist durch Gottes Wort. Durch diese Dialektik von Freiheit und Bindung habe Martin Luther die gesamte neuzeitliche Debatte um die Fundierung ethischer Maßstäbe mitbestimmt. Dennoch waren die Säulen, auf denen sein Lebenswerk ruhte, Gottesbindung und Obrigkeitstreue. Er war kein Revolutionär, wirkte aber durchaus revolutionär, wobei er einen konsequent geistigen Kampf führte, nach dem nur das Wort, nicht die Gewalt die Welt ändere.

Insofern, so Schwilk abschließend, sei Martin Luther kein Wegbereiter der Moderne und kein Anwalt der Autonomie des einzelnen. Luther gehöre seinem Wesen nach dem Mittelalter an, in seinem persönlichen Gottesbild, seinem unbedingten Reformismus aber zur Neuzeit. Der „Zorn Gottes“ über den sündhaften, von ihm abgefallenen Menschen war für Martin Luther eine unumstößliche Realität, der zürnende Gott so selbstverständlich wie das Liebes- und Erlösungsgebot Christi.