Konservatismus ist Gegenaufklärung und Verteidigung der europäischen Tradition

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Auftakt der Reihe „Konservativ heute“ mit Andreas Kinneging

Andreas Kinneging in der BdK

Am 11. Mai 2017 sprach der niederländische Rechtsphilosoph Andreas Kinneging vor rund 70 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus über eine „Kritik der romantischen Vernunft – Grundzüge eines europäischen Konservatismus“. Dabei legte er zunächst die Grundzüge des Konservatismus dar, um diesen den geistigen Strömungen der Aufklärung und der Romantik entgegenzusetzen.

Für Kinneging besteht Konservatismus in der Bewahrung der alten europäischen Ordnung. Diese alte Ordnung beruhe im Grunde auf zwei Lebens- und Weltanschauungen. Es sei unbestreitbar, daß die alte europäische Ordnung, mindestens seit Karl dem Groβen, vor allem gegründet sei auf der griechischen Philosophie und dem Christentum. Damit meint der niederländische Philosoph hauptsächlich das Christentum in der Auslegung von Augustinus und Thomas von Aquin und die Philosophie Platons und Aristoteles‘.

Der Versuch, die alte europäische Ordnung durch eine völlig neue zu ersetzen, sei erst durch die Aufklärung ermöglicht worden, eine Umwälzung im Denken wie nie zuvor. Die Amerikanische und Französische Revolution sind für den studierten Politikwissenschaftler nichts anderes als eine Umsetzung der Lebens- und Weltanschauung der Aufklärung. Zusammengenommen waren diese beiden Revolutionen nicht nur eine politische, so wie alle Revolutionen zuvor, sondern obendrein eine soziale, moralische und letzten Endes sogar eine metaphysische Revolution. Der Konservatismus stehe gegen diese Revolution und sei damit Gegenaufklärung.

Dennoch ist die Lebens- und Weltanschauung der Moderne nicht rein aufklärerisch, sondern zweigeteilt in die Aufklärung und die anti-aufklärerische Romantik. Für Kinneging ist der Aufklärer Thomas Hobbes der Platon der neuen Ordnung und Jean-Jacques Rousseau ihr Aristoteles. Und genauso wie Platon und Aristoteles sich in vielem einig waren, in wenigen, aber grundlegenden Punkten zerstritten, gelte dies für Hobbes und Rousseau. Sie teilen die Grundwerte der Modernität, aber sie gaben diesen Werten eine ganz andere Bedeutung und zogen völlig andere Konsequenzen daraus. Nach Kinneging liegt für Hobbes das Glück in der Befriedigung von möglichst vielen Begierden im Leben, also im Konsum. In der Rousseau-Folge steht das Ego, das Ich im Mittelpunkt, der Mensch ist sich nichts als er selbst. Der alten europäische Tradition dagegen sei die kosmologische Tradition der Hierarchie zentral, also Disziplin und Pflicht statt konsumistischer Gleichheit oder egoistischer Freiheit.

Es geht dem Leidener Rechtsphilosphen letztlich um die Frage, welches Denken der Wirklichkeit am nähesten kommt, also um die condition humaine und das wahre Wohl des Menschen. Für ihn bringt die Aufklärung eine Welt hervor, in der der Mensch letztendlich nur mit Materie, Geld, Sex und seinem Bauch beschäftigt ist. Die Romantik fördere Nabelschau, politisch-korrekten Totalitarismus, die Verdächtigung aller Traditionen und Gemeinschaften und absoluten Narzißmus. Fortschritt, so Kinneging abschließend, könne man das alles nicht nennen. Für das Wohl des Menschen bedürfe es der Lebens- und Weltanschauung der groβen europäischen Tradition, die griechische Philosophie und Christentum in sich vereinige.

Der Vortrag wir im Rahmen der Themenreihe „Konservativ heute“ in einem Sammelband der BdK veröffentlicht werden. Die Bücher von Andreas Kinneging liegen derzeit nur in niederländischer und englischer Sprache vor. Andreas Kinnegings Gedanken können in seinem Buch „Geography of Good and Evil“ nachgelesen werden, das in der Bibliothek des Konservatismus (BdK-Signatur: Phil8-8-21) greifbar ist. Es kann auch über den Buchhandel bezogen werden.

2017-06-14T08:18:24+00:00