Künftige Konflikte erfordern alle Einsatzoptionen

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Dieter Farwick sprach über die unterschätzte Kriegsform der Kleinkriege

Dieter Farwick in der BdK

Am 31. Mai 2017 stellte Brigadegeneral a. D. Dieter Farwick sein Buch „Kleinkriege – die unterschätzte Kriegsform. Warum die Zukunft von Kriegen den Guerillas, Partisanen und Hackern gehört“ vor über 50 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus vor. Der ehemalige Amtschef für das militärische Nachrichtenwesen stellte zunächst klar, daß die Gefahren eines großen, konventionellen Krieges so gut wie ausgeschlossen seien. Dennoch werde es auch künftig bewaffnete Auseinandersetzungen von Großmächten geben, allerdings in Form von Stellvertreterkriegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es bislang 200 solcher Kleinkriege gegeben, mit Opferzahlen im zweistelligen Millionenbereich. Konventionelle Kriege dagegen seien an einer Hand abzuzählen. Oftmals seien diese Kleinkriege durch eine „Dritte Kraft“ mitentschieden worden, die eine Partei mit Waffen, Logistik etc. unterstütz habe. Dieses Modell des Stellvertreterkrieges sei auch künftig das Mittel der Konfrontation, gerade zwischen Großmächten. Diese würden die direkte Auseinandersetzung mit einem ebenbürtigen Gegner aufgrund des Eskalationspotentials scheuen, daher sei die Beschäftigung des Feindes in einem Kleinkrieg die Strategie.

Der frühere Brigadegeneral warf in seinem Vortrag zunächst einen Blick auf die Geschichte des Kleinkrieges, angefangen bei dem Chinesen Sun Tzu, dem „Urvater“ des Kleinkrieges, über Clausewitz, Mao Tse-tung bis hin zu den Militärtheoretikern Werner Hahlweg und Frank Kitson. Nach diesem historischen Abschnitt wandte sich Farwick der geopolitischen Lage zu und erläuterte den Zuhörern potentielle Konfliktherde. So zeigte er die Einflußsphären von Großmächten auf, die sich in bestimmten Regionen überschneiden und zu Interessenkonflikten führten. Gerade diese Peripherie sei der zukünftige Schauplatz von Kleinkriegen, wo sich große Mächte nur als dritte Kraft einmischen würden, um über Bande ihre Interesen durchzusetzen. Der Nahe Osten, die Krim und Nordafrika seien bereits aktuelle Beispiele.

Diese Entwicklungen führten zu einer immer stärkeren Auflösung des Gegensatzes zwischen innerer und äußerer Sicherheit und damit zu großen Herausforderungen für die Streitkräfte. Dieter Farwick forderte daher starke finanzielle und personelle Verbesserungen für die Bundeswehr. Auch sollten  künftige Planungen Landesverteidigung, Auslandseinsätze und Heimatschutz berücksichtigen. Ziel sei es, die Bundeswehr auf einen hohen Grad der Einsatzbereitschaft auszurichten, um auf verschiedene Herausforderungen, wie den Einsatz gegen Terroristen, Cyber Warfare oder Bündniseinsätze kurzfristig reagieren zu können. Die Streitkräfte der Zukunft dürften nicht mehr nur für eine mögliche Konfliktart planen, sondern müßten auf die Bereitschaft für alle Einsatzoptionen hin ausgerichtet werden.

2017-06-02T08:25:34+00:00