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Chaim Noll (Foto: Francisca Perez)

Israel, die einzige westliche Demokratie im Nahen Osten, befindet sich seit Gründung in einem Zustand ständiger existenzieller Bedrohung. Das bloße Vorhandensein eines jüdischen Staates auf dem früheren Gebiet des osmanisch-türkischen Großreiches ist für strikt religiöse Muslime ein unerträglicher Zustand, den es zu beenden gilt. Ohnehin ist Judenhaß, verbunden mit gewaltsamer Aktion, in den fundamentalen Schriften des Islam, im Koran und den Hadithen, festgeschrieben.

Das heißt jedoch nicht, daß der sogenannte „israelisch-arabische Konflikt“ das vorrangige Problem der Region wäre. Seit spätestens einem Jahrzehnt haben inner-arabische Brüche, zum Teil in Form offener Bürgerkriege, das Gesicht der Region nachhaltig verändert. Neben dem uralten islamischen Schisma zwischen Sunniten und Shiiten, von neuem aufgebrochen in der Konfrontation zweier islamischer Machtblöcke – angeführt vom wahabitisch-sunnitischen Saudi-Arabien einerseits und dem schiitischen Iran anderseits –, sind weitere Konflikte entstanden, etwa zwischen der Türkei und dem syrischen Assad-Regime.

Israel braucht in den nächsten Jahrzehnten viel taktisches Geschick und einen spürbaren technologischen Fortschritt, um sich der vielfachen Gefahren an seinen Grenzen zu erwehren und in einer zunehmend chaotischen Region seinen Weg zu gehen.

Chaim Noll wurde 1954 unter dem Namen Hans Noll in Ost-Berlin geboren. Sein Vater war der Schrift­steller Dieter Noll. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte in Ost-Berlin, bevor er Anfang der 1980er Jahre den Wehrdienst in der DDR verweigerte und 1983 nach West-Berlin ausreiste, wo er vor allem als Journalist arbeitete. 1991 verließ er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel, in der Wüste Negev. 1998 erhielt er die israeli­sche Staatsbür­gerschaft. Chaim Noll unterrichtet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an der Universität Be’er Sheva und reist regelmäßig zu Lesungen und Vorträgen nach Deutschland. Er schreibt regelmäßig für die Achse des Guten und zahlreiche andere Medien, u. a. FAZ, Jüdische Rundschau, Liberal und die Jüdische Allgemeine.