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Egon Flaig (Foto: zu Klampen)

Egon Flaig plädiert für einen aufgeklärten Konservatismus. Für ihn unterscheiden sich Konservative von den Fortschrittsgläubigen vor allem durch das geschärfte Bewußtsein, daß alle Errungenschaften auf diesem Planeten teuer erkauft wurden, mit hohem Einsatz und Mühe der Generationen vor uns. Sie lassen diese kulturellen und menschlichen Kosten nicht aus dem kritischen Auge. Denn der Konservative ermißt die Verluste, die jeder historische Wandel mit sich bringt, und erkennt die Bedrohung aller Errungenschaften, denen wir unsere politische und kulturelle Selbstvergewisserung verdanken. Skeptisch blickt er auf die emphatisch-aufklärerische Forderung nach uneingeschränkter Toleranz, denn er weiß, daß kulturelle Unverträglichkeiten nicht verschwinden, weil sie nicht in unser Weltbild passen.

Hieraus erwächst dem aufgeklärten Konservativen die Aufgabe, geistige und politische Haltepunkte wieder im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Doch dafür muß der Konservatismus sein Verhältnis zur Aufklärung auf eine neue Basis stellen. Der Vorwurf, er gehöre der „Gegenaufklärung“ an, sei fatal. Ein aufgeklärter Konservatismus müsse sich abgrenzen von der reaktionären Feindschaft gegen die Aufklärung, ebenso wie vor der anarchistischen Reduktion der Aufklärung. Andererseits dürfe er jedoch nicht eine naiv rücksichtslose Aufklärung verteidigen.

Egon Flaig war bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte in Rostock und lebt nun in Berlin. Er studierte Geschichte, Romanistik und Philosophie und lehrte als Privatdozent in Freiburg und Göttingen. Zuletzt veröffentlichte er „Weltgeschichte der Sklaverei“ (2009), „Gegen den Strom – Für eine säkulare Republik Europa. Essays“ (2013), „Die Niederlage der politischen Vernunft – Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen“ und aktuell „Was nottut – Plädoyer für einen aufgeklärten Konservatismus“ (2020).