Mittwoch, 1. März 2023, 19 Uhr: Vortrag mit Diskussion
Eintritt 10 Euro pro Person (ermäßigt 5 Euro) an der Abendkasse.

Gergely Prőhle

Otto von Habsburg (1912–2011) war vier Jahre alt, als er im Jahr 1916 an der Krönung seines Vaters Karl des IV. teilnahm. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ging er mit seiner Familie ins Exil, am 1. April 1922 starb Kaiser und König Karl auf Madeira. Obgleich die reale politische Macht für den jungen Monarchen in immer weitere Ferne rückte, wurde Otto als Kronprinz erzogen. Mittels seiner Intelligenz, seiner Sprachkenntnisse und seines Fleißes hat er in den Jahren darauf in Spanien, Belgien und auch in Frankreich gelernt, die verlorene politische Macht in intellektuelle Souveränität umzuwandeln. In der Zeit des Nationalsozialismus ist Otto von Habsburg in die USA geflüchtet, hat dort seine Kontakte zu den amerikanischen Konservativen ausgebaut und sich bemüht, die Nachkriegsordnung Europas mitzugestalten.

Seine konsequent antikommunistische Haltung, gepaart mit einem ungebrochenen Optimismus, hat zur Zeit des Kalten Krieges das politische Denken vieler Intellektueller und Politiker beeinflußt. Durch seine Korrespondenzen, seine außenpolitischen Fachberichte und seine Zeitungsartikel in fünf verschiedenen Sprachen hat er eine breite Wirkung erzielt und ein intellektuelles Netzwerk aufbauen können. Seine Mitarbeit in verschiedenen katholischen Kreisen, intellektuellen Gesellschaften und Redaktionen hat dazu beigetragen, daß er eine zentrale Figur des konservativen Denkens der Nachkriegszeit wurde. Die Paneuropa-Bewegung, deren Präsident er ab 1973 war, sowie seine 20jährige Mitgliedschaft im Europäischen Parlament haben sein Wirkungsradius erheblich erweitert. Als Abgeordneter der CSU und als Berater von Franz-Josef Strauß hat er zudem die deutsche Politik nachhaltig geprägt. Sein kompromißloses Auftreten für den Abbau des Eisernen Vorhangs und für die Interessen der kleineren Völker in Europa hat ihm ab Ende der 1980er Jahre auch in den ehemals kommunistischen Ländern eine große Anhängerschaft beschert. Die Otto-von-Habsburg-Stiftung in Budapest arbeitet seinen Nachlaß auf und pflegt sein geistiges Erbe. Aus den Dokumenten ist ersichtlich, wie der letzte ungarische Kronprinz und EU-Abgeordnete sein konservatives Netzwerk ausgebaut und gepflegt hat.

Gergely Prőhle, geboren 1965 in Budapest, war ungarischer Botschafter und ist heute Direktor der Otto-von-Habsburg-Stiftung in Budapest. Er besuchte die Mittelschule in Budapest, studierte Germanistik, Hungarologie und internationale Beziehungen in Budapest, Jena und Hamburg. Während seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er in der Fremdsprachenabteilung der Eötvös-Loránd-Universität (ELTE), leitete die ungarische Vertretung der Friedrich-Naumann-Stiftung und wurde 1998 zum Staatssekretär des Kultusministeriums bestellt. Von 2000 bis 2005 war er Botschafter von Ungarn in Berlin und in Bern. Anschließend bekleidete er verschiedene Ämter im Außenministerium und arbeitete bei einem internationalen Wirtschaftsberatungsunternehmen. Seit 2006 ist er der weltiche Leiter der Evangelischen Kirche in Ungarn. Er publiziert regelmäßig in Zeitschriften und Periodika und ist Vater von vier Kindern.

 

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