Siegmar Faust: Das andere ’68 – Die Auswirkungen des Prager Frühlings

//Siegmar Faust: Das andere ’68 – Die Auswirkungen des Prager Frühlings

Mittwoch, 16. Mai 2018, 19 Uhr: Vortrag mit Diskussion
Eintritt 5 Euro pro Person (ermäßigt 3 Euro) an der Abendkasse.

Siegmar Faust

Als Jugendlicher verliebte sich der 1944 in Sachsen geborene Siegmar Faust in das, was er bei Marx gelesen hatte, und glaubte, dieser habe die Geschichtsgesetze erkannt. Es begann zwar ein langsamer Ablösungsprozeß, der ihn zweimal vom Hochschulstudium ausschloß, doch der entscheidende Anlaß seiner Wandlung war die brutale Niederschlagung des Prager Frühlings vor 50 Jahren. Seine Dissidenz schlug in der DDR nach zwei Inhaftierungen wegen „staatsfeindlicher Hetze“ mit insgesamt 742 Tagen Einzelhaft in Widerstand um. Vorbild waren ihm die Geschwister Scholl. Nach seinem Freikauf 1976 in den freien Teil Berlins gingen ihm seine letzten linken Illusionen in den Begegnungen mit den sich für fortschrittlich haltenden Intellektuellen verloren:

„Daß ich in der Mensa an der Hardenbergstraße neben Marx-, Engels- und Lenin- auch riesige Stalin-Poster sah und verzweifelt davonlief, interessierte keinen. Der Verleger Axel Springer war der Oberteufel, ansonsten sollte ich mich von Gerhard Löwenthal, Matthias Walden, der Bundeswehr, der CDU, ganz besonders der CSU, von Landsmannschaften und Burschenschaften, dem Mauermuseum, der Gesellschaft für Menschenrechte und überhaupt von allen Antikommunisten, Amerikanern und konservativen Fortschrittsfeinden fernhalten, gaben mir diejenigen zu verstehen, die mir weiterhelfen, besser noch: mich retten wollten.“

Wandlung bedeutet wie Ausreise aus einer Heimat auch immer, Freunde und Vertraute, aber auch Förderer zu verlieren. Die durch das Bildungssystem der DDR eingepflanzten Feindbilder brachen dann im Westen schnell in der Begegnung mit solchen „Feind“-Personen in sich zusammen.

Siegmar Faust ist ein deutscher Schriftsteller und war politischer Häftling in der DDR. Von 1996 bis 1999 war er Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen im Freistaat Sachsen. Wegen „staatsfeindlicher Hetze“ war er in den 1970er Jahren insgesamt 33 Monate inhaftiert, davon 17 Monate in Stasi-Untersuchungshaftanstalten, sieben Wochen im Haftkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie Waldheim und die übrige Zeit im Zuchthaus Cottbus. Faust arbeitet freiberuflich als Schriftsteller, Drehbuchautor, Rezensent sowie Vortrags- und Besucherreferent in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, im Stasi-Museum Berlin-Lichtenberg oder in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.

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2018-04-11T11:39:58+00:00