Mittwoch, 30. Oktober 2019, 19 Uhr: Vortrag mit Diskussion
Eintritt 5 Euro pro Person (ermäßigt 3 Euro) an der Abendkasse.

Themenreihe
Konservativ heute

Thomas Bargatzky

Der Mensch vormoderner Epochen war konservativ, weil es keine Alternative zur politischen Leitidee der Bewahrung des Gemeinwesens gab. Sein Konservatismus wurde durch eine mythische Weltanschauung legitimiert. In dieser Form begegnet uns mythisches Denken als „kulturelles Welterbe“ noch heute, vor allem außerhalb Europas. Dieser ursprüngliche Konservatismus darf nicht mit dem modernen verwechselt werden, der sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Europa herausbildete.

Der mythische Konservatismus ist zwar auf die Bewahrung des Eigenen gerichtet, dabei aber pluralistisch und flexibel. Er kann sich fremde kulturelle Errungenschaften aneignen und gegebenenfalls zwischen „traditional“ und „modern“ gleichsam umschalten und die Moderne umgehen. Seine Flexibilität verschafft ihm einen Wettbewerbsvorteil im Vergleich mit den universalistischen Ideologien, die sich im Gefolge einer aus dem Ruder gelaufenen Aufklärung herausbildeten. Die weltweite Machtprojektion, die der Westen für etwa 200 Jahre ausübte, könnte sich als Seitenweg der Weltgeschichte erweisen. Mythisches Denken hat eine Zukunft, doch ob sie in Europa liegt, ist fraglich.

Thomas Bargatzky, geboren 1946 in Brannenburg am Inn, studierte Ethnologie, Altamerikanistik und Soziologie in München und Hamburg. 1977 promovierte er an der Universität Hamburg. Nach der Habilitation an der Universität München 1988 wurde er 1990 zum Professor für Ethnologie an der Universität Bayreuth berufen. Er war Gastprofessor an der Universität Wien, Foreign Visitor am East-West Center in Honolulu, Hawaii und zwei Mal Visiting Scholar an der Indiana University in Bloomington, Indiana, USA. Neben seinen ethnologischen Forschungsschwerpunkten arbeitet er seit über zehn Jahren auch über sicherheitspolitische Themen. 2020 erscheint dazu sein Buch „Der Große Wahn. Der neue Kalte Krieg und die Illusionen des Westens“. Bisherige Veröffentlichungen sind u. a. „Mythos, Weg und Welthaus. Erfahrungsreligion als Kultus und Alltag“ (2007) und zuletzt „Mana, Macht und Mythen“ (2019).

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