Bei politischen Stellungnahmen vor der Kamera sind die Menschen vorsichtig geworden (Video & Podcast)
Julia Ruhs plädiert für eine ausgewogene Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die Journalistin Julia Ruhs bei ihrem Vortrag
Julia Ruhs, die für den Bayrischen Rundfunk (BR) die Sendung „Klar“ moderiert und Kolumnen für Focus-Online schreibt, sprach am 19. November 2025 über ihr Buch Links-grüne Meinungsmacht – Die Spaltung unseres Landes. Sie kritisierte dabei die Verengung von Debattenräumen und die mangelnde Repräsentanz konservativer Standpunkte vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dabei führte sie auch Beispiele aus ihrer journalistischen Arbeit an wie Straßenumfragen, die sie vor allem zu Beginn ihrer Arbeit beim BR unternahm.
Bei unpolitischen Themen konnte sie im Rekordtempo verschiedene Aussagen von Menschen in der Fußgängerzone einer Stadt sammeln, die bereit waren, ihre Meinung vor der Kamera in ein Mikrofon zu sprechen. Aber wenn sie eine Straßenumfrage zu einem politischen Thema machen mußte, sei es immer „ein bißchen schwieriger“ geworden. Es sei um Fragen gegangen wie: Was halten Sie von E-Autos? Was halten Sie davon, daß so viele Flüchtlinge kommen? Wie stehen Sie dazu, daß immer mehr Windräder gebaut werden? Was würden Sie sagen, wenn ein Windrad vor ihrem Haus gebaut werden würde? oder Wie stehen Sie oder wie blicken Sie auf das Attentat eines Asylbewerbers in Aschaffenburg? – Da seien die Menschen vorsichtig geworden, oft auch wegen der Sorge, sie könnten sich selbst mit ihrer Meinungsäußerung schaden. Sie würde etwas wahrnehmen, was auch als Schweigespirale bezeichnet werde.
Beispielhaft berichtete sie von einem sehr eindrücklichen Erlebnis auf einem Dreh für die Redaktion Landespolitik des BR in der Nähe des Starnberger Sees. Nachdem sie schon einige Stellungnahmen für Windkraft gesammelt hatte, suchte sie noch kritische Stimmen. Als sie einen Rentner auf der Terrasse eines Cafés fragte, was er von Windkraft halte, habe dieser geantwortet, daß sie doch bitte auf seine Frau warten solle, weil diese die Meinung habe, die sie doch hören wolle, weil diese nämlich sehr umweltbewußt sei. Glücklicherweise sei sie schließlich bei einem Bäcker auf zwei Männer gestoßen, die Windkraft nicht besonders toll fanden. Sie bewegte diese zur Stellungnahme mit der Versicherung, daß sie selbst keine Grüne sei und daß sie sich drauf verlassen könnten, daß sie die Stellungnahme auch fair zusammenschneide.
Wenn die öffentliche Meinung zu einheitlich sei, dann solle und müsse man das hinterfragen, so das Fazit von Ruhs. Sie sieht erheblichen Korrekturbedarf, doch hält sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich für notwendig. Dabei hob sie hervor, daß ihre journalistische Arbeit beim Bayrischen Rundfunk viel Berichterstattung über Ereignisse mit lediglich regionalem Bezug beinhaltete. Das sei auch ein Grund für dessen Existenzberechtigung. So würden zum Beispiel bei Landtagssitzung nur die Mitarbeiter des BR die gesamte Zeit vor Ort sein, um die Sitzung zu beobachten, damit sie im Falle eines bedeutenden Ereignisses sofort berichten könnten.
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