Marc Jongen über Avantgarde-Konservatismus

Marc Jongen

Am 15. Januar 2020 hielt Marc Jongen einen Vortrag zum Thema „Was ist Avantgarde-Konservatismus? Lehren aus Moderne und Hypermoderne“. Der Philosoph, Bundestagsabgeordnete und AfD-Vordenker gab zunächst einen Überblick über den klassischen Konservatismus. Aus seiner Sicht allerdings sei dieser Ansatz verbraucht und die politische Agenda werde nunmehr durch ein Bündnis aus linkem Liberalismus und Kulturmarxismus dominiert. Daher müßten Konservative heute Avantgarde sein und aus der oppositionellen Haltung gegen den Mainstream heraus theoretisch fundierte Kritik an den bestehenden Verhältnissen üben und aktiv in die metapolitische Auseinandersetzung eingreifen.

Der heutige Konservatismus stehe jedoch vor dem Dilemma, daß viele Dinge, die es zu erhalten lohne, erst wieder geschaffen werden müßten. Der Niedergang der konservativen Parteien, im Sinne einer Liberalisierung oder gar Sozialdemokratisierung, habe Konservative in eine für sie ungewöhnliche Position gebracht. Sie stünden heute außerhalb des Etablierten und fänden sich in einer Rolle wieder, die einst die Neue Linke innegehabt hätte. Doch habe diese mit ihrem Marsch durch die Institutionen letztlich die kulturelle Hegemonie erlangt. Daher sei heute eine gründliche Ideologiekritik von rechts notwendig, die vieles aufgreifen müsse, was ironischerweise vor allem linke Theoretiker erdacht hätten. Beispielsweise könnten Antonio Gramsci und Michel Foucault Vorbilder für konservatives Avantgarde-Denken sein, das sich diesmal jedoch gegen die Linke zu wenden habe. Durch das Bündnis von Linksliberalen und Kulturmarxisten habe sich ein nur vorgeblich ideologiefreier Mainstream durchgesetzt. Dessen tatsächlicher Ideologiegehalt müsse ins grelle Licht einer umfassenden und differenzierten Gegneranalyse gerückt werden. Spätestens dann werde offenkundig, daß es nicht die Linke, sondern die Rechte sei, die rational denke und sich umgekehrt eines linken Irrationalismus (Stichworte: Gutmenschentum, Hypermoral) erwehren müsse.

Für die Wende hin zu einer konservativen Politik sei es notwendig, daß sich der heutige Konservatismus nicht scheue, die Denkbewegungen der Moderne nachzuvollziehen. Dazu gehöre auch die Dekonstruktion der Metaphysik, die die Moderne mit sich gebracht habe. Konservative seien somit in die merkwürdige Rolle gezwungen, Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu formulieren. Zu einem Umschwung im Sinne konservativen Denkens und Handelns könne es daher nur kommen, wenn der Konservatismus sich als Avantgarde in der heutigen kulturellen und ideologischen Auseinandersetzung begreife. Nur dann könne er operationale Macht erlangen und Veränderungen zum Besseren herbeiführen.