Das liberale Freiheitsversprechen ist überholt
Jan A. Karon kennzeichnet unsere Zeit als „Bastardmoderne“

Jan A. Karon spricht über die „Bastardmoderne“.
Am 19. August 2026 stellte der Berliner Journalist Jan A. Karon sein Buch Bastardmoderne – Streifzüge durch ein fremdes Deutschland vor. Der Sohn polnischer Einwanderer, der in der süddeutschen Industriestadt Ludwigshafen aufgewachsen ist, legt darin eine melancholische Betrachtung der kulturellen Verwerfungen der Gegenwart vor.
Die von Karon so beschriebene „Bastardmoderne“ sei entstanden aus dem Zerfall angestammter Glaubensstrukturen und Wahrheitssystemen, begleitet vom Elitensterben in allen wichtigen Institutionen und von einer penetranten Infantilisierung des öffentlichen Debattenraums. Nur noch die einsturzgefährdeten Fassaden eines einst funktionstüchtigen, seinen Bürgern Sicherheit und Prosperität gewährleistenden Landes würden noch stehen. Stillstand, Paralyse, Agonie machten sich breit, während sich alles um uns herum rasendschnell verändere, während wir noch nicht einmal ansatzweise verstehen würden, was das letztlich bedeute.
Der Journalist erklärte, daß unsere Zeit durch allerhand Absurditäten gekennzeichnet sei. Da polierte eine CDU-Politikerin Gedenkstolpersteine für ermordete Juden aus der Zeit des Nationalsozialismus, nachdem arabische Migranten in Amsterdam Fans eines israelischen Vereins durch die Straßen gejagt haben. Im selben Zeitraum sei der zugewanderte saudi-arabische Attentäter des Magdeburger Weihnachtsmarktes ernsthaft als Beleg für rechte Gewalt herangezogen worden.
Karon knüpfte an die US-amerikanische Denkschule des „Postliberalismus“ an, indem er darauf hinwies, daß das Freiheitsversprechen des Liberalismus wesentlich zu der aktuellen Lage beigetragen habe. Dieses Versprechen des Liberalismus besage, daß jeder seine persönliche Autonomie steigern könne und daß es möglich sei, daß jeder Mensch die maximale Freiheit habe. In dieser Gesellschafts- und Rangordnung sei es nur selbstverständlich, daß dieses Versprechen soweit greife, daß auch Mädchen sagen könnten, sie seien Jungs. Ähnlich verhalte es sich auch mit der Staatsbürgerschaft. Wir redeten die ganze Zeit so, als ob jeder, der aus Syrien oder Afghanistan zu uns kommt, nach drei oder fünf Jahren Deutscher werden könne. Zweimal sei er als Reporter auf Lampedusa gewesen und habe mit den Migranten aus Afrika dort gesprochen. Die sagten, daß sie eine deutsche Frau finden und Fußballstars werden wollten. Das liberale Versprechen würde sich vielleicht bei einem von 1000 Fällen einlösen, während die meisten jedoch scheiterten. Die Aussicht auf Aufstieg und Selbsterfüllung, die seine Eltern einst angetrieben habe, die vom Kommunismus geflohen seien, finde er persönlich sympathisch, doch unter den Bedingungen von Digitalisierung und Globalisierung erweise sich das als überholt.
Abschließend erklärte Karon, daß Verbitterung angesichts der dystopischen Lage keine Lösung sei. Er bezog sich auf Mahatma Gandhi, indem er dazu aufrief, die Veränderung vorzuleben, die man in der Welt sehen wolle. Er glaube, daß es sich lohne, für das einzustehen und das nach außen zu vertreten, was einem wichtig ist, was man gut findet, um daran mitzuwirken, daß diese Gesellschaft weniger wie ein Bastard erscheine.
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