Gerd Helds unzeitgemäße Gedanken zur „Klima-Rettung“

Gerd Held

Wie ist das politisch und medial derzeit intensiv propagierte Projekt der „Welt-Klima-Rettung“ bei nüchterner Betrachtungsweise zu beurteilen? Gerd Held, ehemaliger Privatdozent für Soziologie, erklärte in einem Vortrag zum Thema „Zwischen Hysterie und Hybris – Unzeitgemäße Gedanken zur ‚Klima-Rettung’“ am 13. November 2019, daß die „Welt-Klima-Rettung“ für ihn eine Revision von mindestens fünf Jahrhunderten Neuzeit darstelle. In der Bewahrung der Gesamtheit der Errungenschaften der technischen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Moderne sieht er die Aufgabe unserer Zeit. Dies sei die Stunde des Konservatismus.

Held attestierte den Protagonisten der sogenannten „Klima-Rettung“ sowohl Hysterie als auch Hybris. Die hysterische Furcht vor der Apokalypse durch das Klima schlage um in eine Hybris: den Glauben, der Sieg über den Klimawandel ließe sich in einem überschaubaren Zeitraum bewerkstelligen. Letztlich handle es sich bei diesem Projekt, so Held, um den Angriff auf die moderne Zivilisation und ihre institutionelle Ordnung. Um diesem Denken entgegenzusteuern, verband Held in seinem Vortrag Geistesgeschichte mit Technikgeschichte. So sei die Geschichte der modernen Zivilisation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eine „Holzzivilisation“ gewesen, deren Energiegewinnung und Bauwerke von Holz abhingen. Die Reproduktion von Wäldern sei stark beeinträchtigt und die Wiederaufforstung der Natur nach der massiven Holzkrise des 18. Jahrhunderts nur durch den Übergang in die Ära der fossilen Brennstoffe (Dampfmaschine, Bahn usw.) möglich gewesen. Entscheidend für jede Energiegewinnung sei die Produktivität der Träger von Energie, so Held. Sogenannte alternative Energien seien durch den Aufwand ihrer Erzeugung deutlich unproduktiver und belastender als Kohle, Erdöl und Gas. Wir befänden uns immer noch in der Ära der fossilen Brennstoffe. Ein Ausstieg wäre einer ohne verfügbare Alternativen mit vergleichbarer Produktivität, also ein Ausstieg ins Nichts. Daher, so Held, könne man nur attestieren, daß ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft bereits eine fundamentale Entfremdung von der modernen Zivilisation erfahren habe.

Die eigentliche Antwort in der Auseinandersetzung mit dem Klima-Syndrom liege in der Rehabilitierung der modernen Zivilisation. Mit Hegels Denkfigur von „Herr“ und „Knecht“ veranschaulichte er die Lage. Der „Herr“ (die Aristokratie) führe einen Kampf mit Seinesgleichen, einen „Kampf auf Leben und Tod“. Der „Knecht“ dagegen bringe nicht den Mut für diesen Kampf auf und sei daher auf die „niedere“ Auseinandersetzung mit den Dingen angewiesen, auf die gegenständliche Arbeit. Doch dieses Verhältnis erweise sich als das reichhaltigere, weiterführendere Verhältnis. Damit habe Hegel zugleich, so Held, den Erfolg der „Knechte“, also der industriell-produktiven Klassen (Bürgertum und Arbeiterschaft), prognostiziert, die gemeinsam auf fossiler Energiebasis das 19. und 20. Jahrhundert der Industrialisierung und Wohlstandsmehrung geprägt haben. Durch diese Denkfigur sei der Aufstieg des bürgerlichen Geistes beschrieben, den Bürgertum und Arbeiterschaft gemeinsam haben. Mithin keine Figur der dominanten, willkürlichen Macht, sondern eine Position relativer Schwäche, die zur Anpassung an die äußeren Verhältnisse führe. Dieser Ära des bürgerlichen Geistes und des Aufbaus der modernen Zivilisation stünden nun die neuen „Herren“ entgegen, diejenigen Eliten, welche die „Klima-Rettung“ als „Kampf auf Leben und Tod“ verstünden. Damit sei ein riesiges Demontage-Programm unserer Kultur im Gange. Deshalb, so Held abschließend, müsse der Konservatismus die Kontinuität der Neuzeit sichern. Konservative brauchten die Idee einer stabilen „neuen Sachlichkeit“, um der gewachsenen Sachwelt gerecht zu werden. Die Statik der Moderne und ihren „langsamen“ Geschichtsverlauf herauszuarbeiten, die der gegenwärtigen Zerstörung unserer Strukturen entgegentrete, sei die ordnungspolitische Aufgabe des Konservatismus. Dann sei er auf der Seite der Menschen, die jetzt unmittelbar um ihre Existenz und Lebensfreude kämpfen müßten.

Das Video des Vortrags sehen Sie demnächst hier auf unserer Seite.