Der Niedergang der Christdemokratie ebnete der italienischen Rechten den Weg an die Macht
Nachdem die Parteienherrschaft aus Christdemokraten, Sozialisten und Kommunisten in den 90er Jahren zusammengebrochen war, formierten sich schließlich die Kräfte rechts der Mitte und fanden den Weg zur Macht.

Marco Gallina spricht über die italienische Rechte
Am 20. Mai 2026 sprach der Journalist Marco Gallina unter dem Titel „Von Guareschi bis Meloni“ über die Rechte in Italien nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei stützte er sich auf sein jüngst erschienenes Buch Giovannino Guareschi – Don Camillos rebellischer Vater, das die Lebensgeschichte des katholischen und antikommunistischen Journalisten Guareschi (1908–1968) beschreibt, der mit seiner satirischen Zeitung „Candido“ und den Geschichten um Don Camillo und Peppone ein Millionen-Publikum erreichte.
Nachdem die Italiener 1943 ihren faschistischen Diktator Mussolini selbst abgesetzt hatten und der Zweite Weltkrieg 1945 zu Ende war, gab es 1946 ein Referendum über den Fortbestand der Monarchie in einer parlamentarischen Form oder die Einführung einer Republik. Der Einsatz von Guareschi für die Monarchie habe dazu beigetragen, daß das Votum für deren Abschaffung so knapp ausfiel. Die Christdemokraten hätten damals mit den Kommunisten und den Sozialisten zusammen auf die Absetzung des Königs und die Gründung einer Republik hingewirkt. Dies sei auch der Grund, warum die italienische Verfassung aus dieser Zeit einen sozialistischen oder kommunistischen Tonfall aufweise, in der zum Beispiel sowohl ein Recht auf Arbeit als auch eine Pflicht zur Arbeit verankert sei.
Die neue italienische Republik sei bis in die 1990er Jahre von den Christdemokraten auf der einen Seite sowie den Kommunisten und den Sozialisten auf der anderen Seite politisch geprägt worden. Die Angst vor einer Machtübernahme einer Koalition aus Kommunisten und Sozialisten habe der italienischen Christdemokratie jahrzehntelang die Stimmen vieler Wähler rechts der Mitte gesichert. Es habe sich eine regelrechte Parteienherrschaft mit Klientalismus etabliert. Um das zu veranschaulichen, erzählt Gallina, dessen Vater aus Norditalien stammt, eine Begebenheit aus seiner Familiengeschichte: Als sein Vater für sein kleines Unternehmen einen Kredit brauchte, konnte er sich an zwei Banken am Ort wenden. Die eine Bank kontrollierten die Christdemokraten, die andere die Kommunisten. Ein Kredit sei nur gewährt worden, wenn man zumindest irgendwie seine Verbundenheit mit einer der jeweiligen Parteien zum Ausdruck brachte.
Rechts von den Christdemokraten sei eine Art „drittes Italien“ entstanden, für das der Journalist Guareschi als „Chiffre“ gelten könne. Es hätten sich dort versammelt: Monarchisten, Populisten, Katholiken, Konservative, Nationalisten in der Tradition der italienischen Einigungsbewegung, Liberale sowie ehemalige und neue Faschisten. Dieses „dritte Italien“ habe verschiedene Wandlungen durchlaufen, bei denen es auch alten ideologischen Ballast abgeworfen hätte. Als in den 90er Jahren schließlich die alte Parteienherrschaft zusammenbrach, sei es der italienischen Rechten gelungen, sich politisch zu formieren und den Weg an die Macht zu finden. Meloni, Berlusconi und Salvini seien die in Deutschland bekanntesten Vertreter der italienischen Rechten, die heute durch drei Parteien im Parlament vertreten werde und eine der bisher langlebigsten Regierungen trage.
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