Die 5. Tagung der Bibliothek des Konservatismus
wartete mit hochkarätigen Gästen auf

//Die 5. Tagung der Bibliothek des Konservatismus
wartete mit hochkarätigen Gästen auf

Konservative und Libertäre: Erste Schritte zur Verhältnisbestimmung in Deutschland

V. l. n. r.: Karlheinz Weißmann, Wolfgang Fenske, André Lichtschlag, Stefan Blankertz

V. l. n. r.: Karlheinz Weißmann, Wolfgang Fenske, André Lichtschlag, Stefan Blankertz

Mit einem hochkarätigen Podium wartete die Bibliothek des Konservatismus anläßlich ihrer 5. Bibliothekstagung auf. Am Samstag, den 23. November 2013, diskutierten mit Stefan Blankertz, André Lichtschlag und Karlheinz Weißmann ein anarchokapitalistischer Libertärer, ein Libertär-Konservativer sowie ein etatistischer Konservativer zum Thema „Konservative und Libertäre – Brüder im Geiste oder politische Gegner?“.

In seinem Impulsreferat wies Bibliotheksleiter Wolfgang Fenske darauf hin, daß die Diskurslage der Konservativen sich in den zurückliegenden 30 Jahren grundlegend gewandelt habe. Von den früheren Gewißheiten – Nation, Volk, Ehe, Familie, Glaube usw. – sei vieles verloren, manches unwiederbringlich. Das habe Konsequenzen. Statt inhaltlich zu benennen, was „konservativ“ im Jahre 2013 bedeuten könne, arbeiteten sich Konservative in auffallendem Maße an Themen wie Meinungsfreiheit, Bürgerrechte usw. ab und beträten damit ein Terrain, das klassisch von Libertären besetzt sei. Wie authentische konservative Positionen in den aktuellen gesellschaftlichen Debatten aussehen könnten, bleibt dagegen oft unscharf. Konservative müßten sich darum fragen: Wird ihr Denken von libertären Ansätzen fremdbestimmt – oder sind die Themen der Libertären schlicht „dran“?

Für Stefan Blankertz, habilitierter Erziehungswissenschaftler und anarchokapitalistischer Autor, steht und fällt die Frage nach dem Verhältnis zu den Konservativen mit der Staatsgewalt: „Sind die Konservativen bereit, auf staatliche Gewalt zu verzichten, wie es etwa Ernst Jünger in seinem Spätwerk andeutete?“

André Lichtschlag, Herausgeber der libertären Zeitschrift eigentümlich frei, vermißte den Realitätsbezug dieser Frage. Diese laute derzeit nicht, „ob wir null oder fünf Prozent Staat brauchen“, sondern wie die Allgegenwart des Staates wenigstens teilweise zurückgedrängt werden könne. Libertarismus sei für ihn dabei eine formale Regel, die er mit konservativen Inhalten gefüllt sehen wolle. Dabei hätten Eigentum, Familie, Religion und Tradition eine zentrale Bedeutung, die sich über das Naturrecht erschließe.

Dem hielt Karlheinz Weißmann, promovierter Historiker und einer der bedeutendsten konservativen Theoretiker der Gegenwart, die lakonische Frage entgegen, wie Lichtschlag einerseits ein Naturrecht voraussetzen könne, dessen universale Geltung er andererseits durch seinen libertären Ansatz relativiere. Historisch sei die Nation die gewachsene Form der Staatlichkeit in Deutschland. Bei aller notwendigen Kritik an einem übereifrigen Staat dürfe man ihn nicht aus seiner Verantwortung für Bildung, innere und äußere Sicherheit u. ä. entlassen.

Wie die anschließende Aussprache im Plenum zeigte, konnte diese Podiumsdiskussion nur ein erster Schritt für eine mögliche Annäherung von Konservativen und Libertären sein. Themen wie die Stellung zum Naturrecht, zur Staatsgewalt und zur Nation bedürfen weiterer Klärung.

Eine Aufzeichnung der Podiumsdiskussion finden Sie > hier <.

Béatrice Bourges

Béatrice Bourges

Am Vortag hatte sich die Bibliothek bereits mit erfolgreichen konservativen Initiativen in Europa befaßt. Frau Béatrice Bourges, Mitglied des Leitungsgremiums der französischen Initiative „La Manif pour tous“, die sich für die Verteidigung der traditionellen Ehe und gegen eine Gleichstellung der Homo-Ehe einsetzt, berichtete, wie es möglich war, rund eine Million Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen des bürgerlich-konservativen Spektrums auf die Straße zu bringen.

Gleichzeitig rechnete die 52jährige mit der sozialistischen Regierung von Staatspräsident François Hollande ab. Mit Homo-Ehe und Gender-Ideologie werde versucht, die Familie zu zerstören. „Keine Kultur, keine Geschichte, keine Nation, kein Geschlecht. Der neue Mensch soll sich mit nichts mehr identifizieren“, warnte Bourges. Gleichwohl gab sie sich kampfeslustig und zuversichtlich: „Ich weiß, daß wir siegen werden!“

Georg Pazderski, kommissarischer Leiter der Bundesgeschäftsstelle der Alternative für Deutschland (AfD) ging anschließend der Frage nach, wie es der AfD innerhalb weniger Monate möglich war, einen Wahlkampf zu realisieren, der neben überzeugenden TV-Auftritten des Vorsitzenden und einer professionellen Social-Media-Arbeit auch mit innovativen Elementen (Blue Men, Euro-Feuerwehr usw.) punkten konnte. Sein Fazit: Durch das Fehlen eines professionellen Parteiapparates fühlten sich die Mitglieder ermutigt, selbst kreativ zu werden, und machten somit auf sehr unterschiedliche und zum Teil auch unkonventionelle Weise auf die Anliegen der AfD aufmerksam. Angesprochen auf die gegenwärtige Debatte zwischen Konservativen und Liberalen in der Partei, bemerkte Pazderski: „Es war vielleicht ganz gut, daß wir es nicht gleich beim ersten Mal in den Bundestag geschafft haben.“

2017-05-19T11:34:03+00:00