Die Delegitimierung des Staates ist Kernkompetenz des Journalisten (Video & Podcast)

Ex-ZDF-Fernsehjournalist Wolfgang Herles sprach über die Wandlung von der Bonner zur Berliner Republik

Wolfgang Herles bei seinem Vortrag

Am 16. Juli 2025 gewährte der Fernsehjournalist Wolfgang Herles Einblicke in die Arbeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks während der Regierungszeit von Helmut Kohl. In seinen jetzt veröffentlichten Erinnerungen Gemütlich war es nie – Erinnerungen eines Skeptikers berichtet Herles, wie er als Leiter des ZDF-Studios in Bonn den Wandel von der Bonner zur Berliner Republik miterlebte.

Die Wiedervereinigung und den Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin wertet er als Neugründung der Republik, die durchaus mit einem „Knacks“ verbunden gewesen sei, zumal Kohl die Wiedervereinigung für seinen persönlichen Machterhalt instrumentalisiert habe. Die schnelle Umsetzung der Währungsunion und der günstige Wechselkurs für die DDR-Mark hätten Kohl zwar bei den Menschen im Osten Deutschlands beliebt gemacht und der CDU Wahlerfolge beschert, doch habe die überstürzte Wirtschafts- und Währungsunion auch zu großen wirtschaftlichen Verwerfungen geführt, unter denen der Osten teilweise heute noch zu leiden habe. Herles ist überzeugt, daß eine kritische Begleitung des Einigungsprozesses von Vorteil gewesen wäre.

Kohl habe seinerzeit eine Form von Machtausübung etabliert, die bis heute virulent sei, wie etwa die Lenkung der Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zeige. Von oben sei im ZDF ausgegeben worden, daß die Einigung  durchweg positiv zu begleiten sei. Kritische Anmerkungen zu Teilaspekten seien nicht erwünscht gewesen. Schließlich sei Herles auf Druck von Kohl von der Leitung des Bonner ZDF-Studios abberufen worden.

Herles machte darauf aufmerksam, daß die Bundesrepublik 1949 mit der Absicht gegründet worden war, sich vom „Gleichschritt“ zu verabschieden. Wenn auch eine rigide Sexualmoral geherrscht habe, sei doch das politische Klima in der Adenauer-Zeit insgesamt liberaler gewesen als heute. Mit dem Beginn der Berliner Republik habe der Staat begonnen, zu moralisieren. Er sei übergriffig geworden, die Bürger würden von der politischen Klasse zur Staatstreue gezwungen. Die überbordende Bürokratisierung sei beabsichtigt, da sie der Kontrolle der Bürger diene. Aufrufe von Politikern zur Entbürokratisierung seien daher nicht glaubwürdig. Auch der Bildungsnotstand sei beabsichtigt, da schlecht informierte Menschen leichter zu lenken seien. Herles monierte die Abwertung der Begriffe „Skeptiker“ und „Querdenker“, die verwendet würden, um Bürgern eine „Delegitimierung des Staates“ vorzuwerfen. Diese gehöre jedoch zur „Kernkompetenz“ von Journalisten.

 

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