Lorenz Jäger über das denkerische Leben Martin Heideggers

Lorenz Jäger liest aus seinem Buch

Am 25. Mai 2022 stellte der langjährige FAZ-Redakteur und promovierte Germanist Lorenz Jäger sein neues Buch Heidegger – Ein deutsches Leben vor. Unter Berücksichtigung der neuesten Quellen, beispielsweise der kontrovers diskutierten Schwarzen Hefte oder des vollständigen Briefwechsels mit Hannah Arendt, zeichnet Jäger in seiner Biographie ein breites Porträt des wirkmächtigen Philosophen. Insbesondere das Verhältnis zu intellektuellen Zeitgenossen und den historischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts behandelt Jäger ausführlich.

Ins Zentrum seines Vortrags stellte Jäger das Verhältnis Heideggers zu Paul Celan, zu Friedrich Hölderlin und zur Dichtung im allgemeinen. Am Beispiel der persönlichen und fachlichen Beziehung zu dem jüdischen Dichter Paul Celan zeigte Jäger, daß die Deutung einiger Kritiker, Heideggers Denken sei antisemitisch grundiert, nicht haltbar sei. Gleichwohl bleibe jede Deutung abhängig von der Gewichtung des jeweiligen Autors, wie Jäger anhand ausgewählter Paralleltexte aus anderen Biographien eindrücklich zeigte. Jäger verwies auf die berühmte Hölderlin-Interpretation von Heidegger und wies so die grundsätzliche Bedeutung der Dichtung für die Philosophie Heideggers auf. Immer wieder sei Heidegger von fundamentalen Krisenerfahrungen des Sprechens und der Wortfindung heimgesucht worden, so daß er Orientierung in der Dichtung suchte und sowohl bei Celan als auch bei Hölderlin fand. Bei letzterem gerade dann, als sich die sogenannte „Stunde Null“ näherte und Europa sich in einem ausweglosen Krieg befand.

In der sich anschließenden Aussprache wurden weitere Motive im Leben Heideggers diskutiert. So wurde noch einmal nachvollziehbar, daß jede öffentliche Auseinandersetzung mit Heidegger zugleich immer auch die deutsche Geistesgeschichte und den Umgang mit der Vergangenheit widerspiegelt. Heidegger habe ein deutsches Leben gelebt, das sich trotz seines hohen philosophischen Anspruchs nicht von den Entwicklungen der Zeit lösen konnte. Auf Nachfrage, wann denn philosophisch der Bruch Heideggers mit dem Nationalsozialismus erfolgte, verwies Jäger auf das Erscheinen des Aufsatzes „Der Ursprung des Kunstwerks“ im Jahr 1936.

Das Video des Vortrags sehen Sie demnächst hier auf unserer Seite.