Der Konservatismus könnte durch die Macht des Subversiven zur Erfolgsstory werden

//Der Konservatismus könnte durch die Macht des Subversiven zur Erfolgsstory werden

Thor Kunkel über Polit-Marketing in Zeiten des Kulturkampfes

Thor Kunkel

Am 5. September 2018 sprach Thor Kunkel zum Thema „Selbstbehauptung – Vom Polit-Marketing zum Kulturkampf“ vor über 100 interessierten Zuhörern. Der Bestsellerautor hatte bereits 2015 in der BdK über konservatives Polit-Marketing referiert und ging nun einen Schritt weiter. Der Werber zeigte, wie sich konservative Ideen in der öffentlichen Sphäre durchsetzen lassen im von ihm so bezeichneten „Kulturkampf“ um das gesellschaftliche Meinungsklima.

Kunkel erläuterte in seiner Präsentation, wie auch ein Außenseiter durch eine self fulfilling prophecy zum Erfolg kommen könne. Denn wer behaupte, anders zu denken, sei auch gezwungen, neue Wege zu gehen – und genau dort lägen die Zuwachs- und Gewinnmargen, sowohl im wirtschaftlichen Bereich, als auch im Bereich des (Um-)Denkens. Für den am Städel ausgebildeten Creative Consultant befinden wir uns derzeit in einer Epoche, der Profit über Kultur geht. Die Umcodierung der westlichen Lebenswelt laufe mit Hilfe der Werbewirtschaft bereits auf Hochtouren. Es sei nicht die Angst vor einem muslimischen Djihad, sondern Profitgier, die Werbetreibende auf den Kurs der Regierungen verpflichte, so Kunkel. Diese These zeigte er anhand von Werbekampagnen, die nicht das eigentliche Produkt, sondern vielmehr eine diverse Gesellschaft propagierten (Katjes), aus Rücksicht vor Pseudo-Erpressungen christliche Kreuze aus Bildern retuschierten (Lidl) oder von Minderheiten als problematisch empfundene Produkte gleich zurückzogen (Nike). Diese Umcodierung geschehe in Werbung und Medien durch das sogenannte Framing. Dadurch würden „Aspekte einer allgemein wahrgenommenen Realität ausgewählt und so hervorgehoben, daß eine bestimmte kausale Interpretation für den Gegenstand gefördert“ werde. In der Politik also durch Schubladendenken, welches politische Ereignisse in vorgegebene Deutungsraster einbette. Damit diene die Problemdefinition einer bestimmten moralischen Bewertung und Handlungsempfehlung („Wir schaffen das“, „wenig hilfreich“, Migration als „Chance“ oder „Herausforderung“). Im wahrsten Sinne des Wortes werde der Leser oder Zuschauer geframt („hereingelegt“). Die Wahrnehmung schlichter Sachverhalte („Migration als Problem“) sei mit der „zivilreligiösen Weltauffassung“ („Multikulti ist die Zukunft“), die sich in Deutschland festgesetzt habe, nicht mehr kompatibel. Kunkel sieht damit die freie Meinungsäußerung außer Kraft gesetzt.

Sabo: „Think different“

Der Kulturkampf bestehe also darin, die „Wahrnehmung schlichter Sachverhalte“ gegen den Mainstream-Frame wieder durchzusetzen. Für den Werbefachmann ist dies nur möglich, wenn es gelingt, mit subversiven Mitteln einen Kreativitätsvorsprung zu erreichen, wie ihn die Linken lange besessen hätten. Der Avantgarde-Künstler Sabo aus den USA habe durch seine Arbeit bereits linke Kunst-Ikonen wie Banksy oder Shephard Fury entthront. Er wurde bekannt, indem er die berühmte „Think Different“-Kampagne des Apple-Konzerns umwertete. Auf schwarzem Grund ersetzte er den Biß in den Apple-Apfel mit der Silhouette von Donald Trump. Gepaart mit dem Slogan „Think Different“ konnte er somit für die junge Zielgruppe erreichen, die Linken als die biederen Meinungsmachthaber darzustellen und Trump als den coolen, hippen Außenseiter zu stilisieren. Anhand vieler Beispiele zeigte Kunkel so auf, wie man Freiräume für sich entdecken könne, um konservative Außenseiterpositionen gegen den linken Mainstream durchzusetzen. Künstler wie Sabo seien gleichsam die neuen Dadaisten und gesellschaftskritischen Popkünstler, deren Werke einst in Museen hängen würden, während heutige, linke Gefälligkeitskunst dann schon vergessen sei. Wir stünden am Beginn an einer conservative revolution, die nicht gesendet werde, sondern ästhetisierend daherkomme. Der Kulturkampf in unserer auf Meinungskonformität ausgerichteten Konsumgesellschaft laufe bereits jetzt über scheinbar neutrale Werbung und TV-Unterhaltungs-Formate. Diese Gunst der Stunde sollten Konservative nutzen, so Kunkel abschließend, um auf genau diesen Arbeitsfeldern mit Hilfe von avantgardistischer (Werbe-)Kunst, als die coolen Außenseiter ihre Erfolgsstory gegen den Mainstream zu schreiben.

 

2018-09-07T14:15:27+00:00