Konservativ ist, patriotisch die gerechte Ordnung zu bewahren

//Konservativ ist, patriotisch die gerechte Ordnung zu bewahren

Werner Patzelt über eine Bestimmung des Konservatismus für die Gegenwart

Werner Patzelt

Am 21. März 2018 sprach der Politologe Werner J. Patzelt im Rahmen der Themenreihe „Konservativ heute“ vor 120 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus zum Thema: „Was ist Konservatismus? Eine Bestimmung für die Gegenwart“. Der Dresdner Professor begann mit einem Parforceritt durch die verschiedenen, sich teilweise widersprechenden Deutungen dessen, was konservativ genannt werden könne: vom Struktur- über den National-, den Liberal- und den Sozialkonservatismus. Dabei zeige sich, daß der Begriff, als „Bewahrung“ verstanden, sich auf viele politische Ideen und Strömungen beziehen lasse. Gleichwohl würden sich viele ihrer Vertreter niemals so nennen lassen, während andere sich bewußt als „konservativ“ bezeichnen und danach handeln würden.

Tatsächlich gebe es, so Patzelt, drei allgemeine, überzeitliche Merkmale des Konservatismus: Zum einen die Akzeptanz eines größeren Ordnungsrahmens, in den der einzelne sich einfüge und den er mittrage. Zum anderen das Prinzip der Hierarchie, das durch die Vergangenheit als sinnvoll verbürgt und auch in Zukunft tragend sei. Und schließlich das Festhalten am Bewährtem, also die Bewahrung der Tradition. Hegelianisch definierte Patzelt: „Konservatismus ist eine dialektische Haltung, in der man das Argument einer Antithese gleich schon zur nächsten Synthese vorausdenkt.“

Darauf aufbauend definierte der Politikwissenschaftler einen optimistischen, politisch offensiven und aus seiner Sicht zukunftsfähigen Konservatismus, der auch in der heutigen Politik tragfähig sei. Ein heutiger Konservatismus müsse wiederum drei Dinge umfassen. Zunächst den Einsatz für eine „gerechte Ordnung“. Recht und Ordnung seien Garanten für eine stabile Zukunft der gesellschaftlichen Verhältnisse. Dabei komme es aber nicht auf irgendeine Ordnung, sondern eine gerechte Ordnung an, mithin also einen Staat, der ein Rechtsstaat sei und auch vom Volk als gerecht empfunden werde. Zweitens gehe es um „Nachhaltigkeit“, womit eine erhaltbare Entwicklung der Gesellschaft gemeint sei, die das Bewährte schütze und nicht dessen Grundlage zerstöre.  Und drittens bedürfe es des Patriotismus: Erst das Gefühl der Heimat und der damit gebundenen Gemeinschaft ermögliche die gemeinsinnige Tätigkeit des einzelnen zu deren Erhalt. Der Zusammenhalt einer Gesellschaft sei zwingend auf Patriotismus angewiesen, wobei auch Einwanderer gute Patrioten werden könnten. Ein moderner Konservatismus, so Patzelt abschließend, der für gerechte Ordnung, Nachhaltigkeit und Patriotismus eintrete, sei argumentativ seinen politischen Gegnern überlegen, könne den politischen Wandel gestalten und dabei die Tradition in die Zukunft der Gesellschaft einbringen.

Eine Videoaufzeichnung des Vortrags finden Sie hier.

 

2018-04-03T11:10:26+00:00