Kontinuierliche Selbstprüfung als Voraussetzung konservativen Handelns

//Kontinuierliche Selbstprüfung als Voraussetzung konservativen Handelns

Menno Aden bei seinem Vortrag

Im Rahmen der Reihe „Konservativ heute“ sprach am 13. Dezember 2017 der Essener Jurist und Publizist Menno Aden zum Thema „Selbstvergewisserung und Neubeginn – Zur christlichen Begründung des Konservatismus“. Aden, der von 1994 bis 1997 als Präsident des Oberkirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin gewirkt hatte, nahm das zu Ende gehende Jubiläumsjahr der Reformation zum Anlaß, den Konservatismus von Luthers erster seiner 95 Thesen von 1517 her zu entwickeln.

Daß „das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll“, wie es dort heißt, interpretiert Aden in doppelter Weise: Zum einen genüge es nicht, den Akt der Buße auf einen sonntäglichen sakramentalen Akt zu reduzieren. Was Luther gefordert habe, sei nicht weniger als eine Umkehr des gesamten Lebens, das sich tagtäglich an Gottes Geboten messen lassen müsse. Ziel dieser Selbstprüfung sei zum anderen nicht Strafe, wie die lateinische Übersetzung poenitentia des griechischen Begriffes metánoia es noch nahelegte. Vielmehr gehe es bei Buße für Luther, gestützt durch den etymologischen Befund, um „Besserung“.

Täglich also müsse sich der Konservative – analog zum Christen – fragen, ob der eingeschlagene Weg der richtige sei und ihn ggf. korrigieren. Hierzu blicke er selbstkritisch in die Vergangenheit, reflektiere aus ihr heraus seine Gegenwart und entwickle Vorhaben für die Zukunft. Was für das Individuum gelte, so Aden, lasse sich gleichermaßen auch auf das Staatswesen anwenden. Auch dessen Lenker seien verpflichtet, das Wohl des Staates vor dem Hintergrund seiner Geschichte immer wieder neu in den Blick zu nehmen.

In der sich anschließenden Aussprache wurde unter anderem diskutiert, ob dieses Verständnis von Konservatismus nicht zu formal sei, da es keine inhaltlichen Vorgaben mache. Woran und mit welchem Zweck der einzelne seine Vergangenheit prüfe, bleibe ihm selbst überlassen. Aden verteidigte seinen Ansatz, indem er darauf verwies, daß mit den Zehn Geboten im Abendland ein Tugend- bzw. Pflichtenkatalog vorliege, dessen Umsetzung eine klassische Forderung von Konservativen sei. Darüber hinaus seien die Zehn Gebote auf unterschiedliche Weise in allen Kulturen gültig, könnten also weltweit Geltung beanspruchen.

Auch die Forderung nach einem verbindlichen historischen Bezugspunkt – etwa aus der christlichen Überlieferung oder der deutschen Geschichte – wurde in die Diskussion eingebracht. Einig waren sich die Zuhörer abschließend darin, daß der von Aden vorgestellte Ansatz unverzichtbar sei, wenn es darum gehe, konservatives Denken und Handeln heute zu beschreiben und zu legitimieren.

 

2017-12-18T11:23:02+00:00