Machtwechsel in Ungarn: Ausblick in eine ungewisse Zukunft

Bence Bauer sprach über Viktor Orbán und seinen siegreichen Herausforderer Peter Magyar

Bence Bauer stellte die gewählten Parteien vor

Am 1. Juli 2026 sprach Bence Bauer, Direktor des Deutsch-Ungarischen Instituts des Mathias Corvinus Collegiums in Budapest, über das Ergebnis der ungarischen Parlamentswahl vom 12. April 2026 und die neue Regierung des Wahlsiegers Peter Magyar von der Tisza-Partei. Die vom bisherigen Ministerpräsidenten Viktor Orbán geführte Partei Fidesz habe die Wahl krachend verloren. Da das Wahlrecht den Wahlsieger begünstige, verfüge Tisza jetzt über eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament, wodurch Verfassungsänderungen künftig leicht möglich seien. Auffällig sei, daß es keine offen linke Partei ins Parlament geschafft habe. Neben der zentristischen Tisza und der konservative Fidesz sei lediglich noch die rechtspopulistische Partei Mi Hazánk mit einer kleinen Fraktion vertreten.

Gründe für die Niederlage des über 16 Jahre amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán sieht Bauer darin, daß Fidesz die Stimmung im Land nicht richtig eingeschätzt und den Wahlkampf über die sozialen Medien nicht erfolgreich geführt habe. Dagegen gelang es dem Herausforderer Magyar, die jungen Leute zu erreichen. Bei den Erstwählern habe die Wahlbeteiligung bei 93 Prozent gelegen, 90 Prozent davon hätten Tisza gewählt.

Gleichzeitig habe die Fidesz im Vergleich zur letzten Wahl zahlreiche Wähler im Seniorenalter aus demographischen Gründen verloren. Die Jungwähler hätten jedoch auch auf dem Land und in den Dörfern Magyar gewählt. Magyar habe, als er noch mit der Fidesz-Politikerin Judith Varga verheiratet war, von der Position seiner Frau beruflich profitiert, was ihn jedoch nicht daran hinderte, Orbán im Wahlkampf Korruption und Inkompetenz vorzuwerfen. Die so befeuerte Wechselstimmung im Land sei letztendlich für den Erdrutschsieg von Tisza ausschlaggebend gewesen.

Noch sei unklar, wie Fidesz sich neu aufstellen wird. Die Partei sei geradezu vernichtend geschlagen worden und profilierte Köpfe, die sie in die Zukunft führen könnten, fehlten. Der neue Ministerpräsident Peter Magyar nutze seine Reden im Parlament für ständige Angriffe auf die Opposition und habe bereits durchgreifende Maßnahmen angekündigt, um die Fidesz und ihre Anhänger weiter zu schwächen.

Auch wenn Magyar jetzt fest im Sattel zu sitzen scheine, sei die Tisza, mit deren Hilfe er ins Amt gekommen sei, ein heterogenes Gebilde mit rechten und linken Elementen, das durch die Gegnerschaft zu Orbán zusammengefunden habe. Eine gemeinsame politische Vision fehle der neuen Regierungspartei jedoch. Eine Abspaltung von linken oder rechten Politkern sei durchaus denkbar. Das Versprechen von Magyar sei im wesentlichen, Orbáns Politik ohne Korruption und mit größerer Distanz zu Rußland fortzusetzen, doch bleibe bislang vieles im unklaren.

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