„Meinungshoheit“ als Machtfrage

//„Meinungshoheit“ als Machtfrage

Thor Kunkel über konservatives Politmarketing: Riding the wave!

Thor Kunkel bei seiner Präsentation

Thor Kunkel bei seiner Präsentation

Gibt es konservatives Politmarketing? Und wenn ja, was ist das und wie läßt es sich umsetzen? Diesen Fragen ging der Schriftsteller, Werbe- und Marketingfachmann Thor Kunkel am 9. Juli 2015 in der Bibliothek des Konservatismus nach. Vor rund 80 Zuhörern legte der Referent dar, daß es sich bei Politik letztlich um Produkt handele, das verkauft werden müsse. Die Produktsparte sei Governance oder Angewandte Staatstechnologie, weshalb auch politische Parteien schon lange wie Markenprodukte beworben würden.

Da die Produktpalette in Deutschland stark begrenzt sei, komme dem Konservativen die Rolle des heroischen Außenseiters zu. In der öffentlichen Wahrnehmung habe er das Stigma „des Rechten“, werde als Störer, zu elitär und Reizfigur empfunden.

Am Beispiel PEGIDA legte Kunkel dar, daß am Ende des propagandistischen Schlagabtauschs zwischen PEGIDA und den Medien immerhin die Gewißheit stehe, daß ein beachtliches Mobilisierungspotential von unzufriedenen Bürgern existiere. Dieses gelte es zu aktivieren.

Dabei gehe es nicht allein um die besseren Argumente. Der „Wettbewerb der Meinungen“ sei in Wirklichkeit ein knallharter Statuswettbewerb. Schon das Wort „Meinungshoheit“ besage, daß es sich im Kern um eine Machtfrage handle. „Wer das Sagen hat, der hat auch das Ansehen.“ Wer „mundtot“ gemacht werde, befinde sich alsbald am Rande der Gesellschaft. Gerade hier hätten die Konservativen ein Defizit zu beklagen.

Diese Mechanismen müsse der Konservative daher unterlaufen: Riding the wave! An die Stelle sensibler Leuchtturmprojekte müsse die langfristige Vernetzung „rhizomatischer“, d. h. organischer, bodennaher Strukturen (im Sinne von Gilles Deleuze und Félix Guattari) treten. Ziel müsse es sein, einen „Logenplatz im Kopf des politischen Konsumenten“ zu erlangen. Wie dies auf operativer Ebene konkret geschehen könne, schilderte der Referent ausführlich in einem zweiten Teil seines Vortrags.

Im Ergebnis hielt er fest: Was über den Erfolg gegen den Mainstream entscheide, sei weniger der Inhalt als die Form politischer Kommunikation.

2017-05-19T11:33:55+00:00