Moeller van den Bruck: Weder Antidemokrat noch Ostmystiker
Karlheinz Weißmann sprach anläßlich des 150. Geburtstages über den jungkonservativen Vordenker

Karlheinz Weißmann stellt sein Buch über Moeller van den Bruck vor
Am Vorabend des 150. Geburtstages von Arthur Moeller van den Bruck am 23. April 2026 stellte der Göttinger Historiker Dr. Karlheinz Weißmann sein neues Buch Moeller van den Bruck – Der konservative Revolutionär vor, das als Band 9 in der Reihe ERTRÄGE neu erschienen ist. Neben Edgar Julius Jung sei Moeller van den Bruck (1876–1925) einer der Hauptvertreter der jungkonservativen Richtung.
Weißmann stellte zunächst fest, daß ein revolutionärer Impuls innerhalb des konservativen Lagers schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sei, als mit dem fortschreitenden Prozeß der Modernisierung immer klarer geworden sei, daß ursprüngliche Pfeiler konservativer Existenz wie die ständische Ordnung oder der politische Vorrang des Christentums zunehmend obsolet wurden. In diesem Kontext sei der Gedanke aufgekommen, ob es nicht vielleicht doch sinnvoll wäre, revolutionäre Mittel anzuwenden, um zu konservativen Ergebnissen zu kommen. Moeller van den Bruck habe dann auch der Kraftentfaltung der Vereinigten Staaten um die Jahrhundertwende große Bewunderung entgegengebracht und sei der Meinung gewesen, ähnliches sei durchaus in Deutschland möglich.
1919 habe Moeller sich dem von Heinrich von Gleichen initiierten Juniklub angeschlossen, den er inhaltlich geprägt habe. Die Jungkonservativen überlegten in diesem Rahmen, wie durch eine demokratische Mobilisierung das Volk für die Sache der Nation zu gewinnen wäre. In seinem 1923 erschienen Hauptwerk „Das dritte Reich“, das ursprünglich unter dem Titel „Die dritte Partei“ erscheinen sollte, habe Moeller versucht, eine Synthese aus konservativem und revolutionärem Denken jenseits von Wilhelminismus und Weimarer Republik herzustellen. Weißmann merkte an, daß unklar bleibe, ob Moeller sich bewußt gewesen sei, in welche vielfältige geistesgeschichtliche Tradition er eintrete, wenn er vom „Reich“ spreche. Im Werk selbst werde die seltsame Beziehungslosigkeit zwischen dem Titel und dem Inhalt des Buches jedenfalls nicht vollständig aufgelöst.
Das Ende des Juniklubs 1924 sei ein schwerer Schlag für Moeller gewesen, da ihm so sein politisches Forum verlorengegangen sei und er auch in die Arbeit des nachfolgenden Deutschen Herrenklubs nicht einbezogen wurde. Nachdem er mit Depressionen und Nervenzusammenbrüchen zu kämpfen hatte, nahm sich Moeller van den Bruck am 30. Mai 1925 das Leben.
Weißmann bezeichnete Moeller als eine Gestalt, die von Tragik umwittert war. Er ordnet ihn historisch der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zu, als unklar war, in welche Richtung Deutschland gehen sollte und es zahlreiche Überlegungen zur politischen Zukunft gab. So interessant und auch faszinierend diese gewesen sein mögen, taugten sie dennoch nicht für eine unmittelbare Übertragung auf heutige Verhältnisse. Die Konservative Revolution, und mithin das Werk Moeller van den Brucks, sei Geschichte.
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