Nur noch als „gelungenes Beispiel für die Integration von Flüchtlingen“ mißbraucht

//Nur noch als „gelungenes Beispiel für die Integration von Flüchtlingen“ mißbraucht

Konrad Badenheuer über den Niedergang der deutschen Vertriebenen seit 1945

Konrad Badenheuer

Am 9. Mai 2018 sprach Konrad Badenheuer in der Bibliothek des Konservatismus vor rund 70 Zuhörern zum Thema „Opfer der Geschichtspolitik? Die deutschen Vertriebenen seit 1945“. Der Publizist und Verleger würdigte zunächst die Vertreter der Vertriebenen in den frühen fünfziger Jahren, als es für die meisten von ihnen in der Bundesrepublik „ums nackte Überleben“ gegangen sei. Wohnungsnot, Arbeit, Versorgung der Familie und auch tatsächlicher Hunger seien die vordringlichsten Probleme gewesen. Die Vertriebenen aus Ostdeutschland in die neue Bundesrepublik zu integrieren und ihre Versorgungslage zu verbesseren, hätte Priorität gehabt. Dennoch, so Badenheuer, müsse man sehen, welche Versäumnisse und Fehler von den Vertrieben gemacht worden seien, die letztlich zur Marginalisierung dieser Gruppe in Politik und Gesellschaft geführt hätten.

In den fünziger und sechziger Jahren seien die Vertrieben eine von allen Parteien umworbene Wählergruppe gewesen, deren Anliegen von Vertretern aller Parteien ernst genommen und auch in Politik umgesetzt wurden. Als kleines beispiel führte Badenheur an, daß sich die niedersächsische Stadt Stade bei der Umstellung der Kennzeichen für Kraftfahrzeuge 1956 um das Kennzeichen „ST“ bemüht hätte, aber aufgrund des Protestes der  Vertriebenverbände dieses Kennzeichen für Stettin reserviert wurde. Diese Anekdote zeige, daß die Vertriebenen seinerzeit als pressure group politisch durchaus ernst genommen wurden. Doch bereits in diesem politisch günstigen Klima gestaltete sich die Verbandsarbeit als Hindernis für die Durchsetzung konkreter Anliegen. Denn bereits mit Gründung des Dachverbandes Bund der Vertriebenen (BdV) gab es Streitigkeiten mit den Landsmannschaften, die auf ihre Unabhängigkeit pochten, so daß man oftmals nicht mit einer Stimme auf die Entscheidungsträger einwirken konnte.

Zudem sei bereits die Namensgebung als „Vertriebene“ ein Problem, denn, so Badenheuer, bereits die Kinder und erst recht die Enkel seien keine Vertriebenen im eigentlichen Sinne mehr gewesen. Desweiteren werde seit 1990 das Wort „Ostdeutsche“ generell auf die Menschen in der ehemaligen DDR bezogen, obwohl diese eigentlich Mittel- und Norddeutsche seien. Die wahren Ostdeutschen aus Schlesien, Pommern, Ostpreußen usw. hätten es versäumt, sich als „Verband der Ost- und Sudetendeutschen“ eine Identität zu geben, die positiv die landsmannschaftliche Tradition auch für die kommenden Generationen sichere. Auf diese Weise hätten die Vertriebenen ihre Herkunft und Identität über lange Zeit bewahren und das Recht auf Heimat stärker im Bewußtsein der nachfolgenden Generationen und der bundesdeutschen Öffentlichkeit verankern können. Doch die Geschichte der vertriebenen Ostdeutschen wurde statt dessen eine Geschichte der Assimilation und des Aufgehens in der neuen Heimat. Dies alles habe zu einem stetigen Schwund der Mitgliederzahlen geführt und damit zu immer weniger Zugeständnissen der Politik bis hin zu einer letztlich gegen die Vertriebenen gerichteten Politik. Das führe so weit, so Badenheur abschließend, daß zwar das EU-Parlament zwei bis heute gültige Resolution zum Recht auf Heimat verabschiedet habe, der Deutsche Bundestag dagegen zwar eine Armenien-Resolution zuwege brachte, aber über die noch immer gültigen Beneš-Dekrete schweige und keinerlei Erklärungen für die deutschen Vertriebenen abgebe. Das Zentrum gegen Vertreibungen wurde verschleppt und verwässert und die Vertriebenen würden heute nur noch als „gelungenes Beispiel der Integration von Flüchtlingen“ durch die deutsche Geschichtspolitik mißbraucht.

 

2018-05-15T11:15:02+00:00