Rufmord am deutschen Handeln

//Rufmord am deutschen Handeln

Manfred Backerra über den Kampf gegen den Armeniermord

Manfred Backerra, Vorsitzender der SWG

Manfred Backerra, Vorsitzender der SWG

Gab es eine deutsche Mitschuld oder gar aktives Mittun am Armeniermord in der Zeit von 1915 bis 1918? In einem Bundestagsbeschluß von 2005 wird ein solche Mitschuld bekundet. Am 3. Dezember 2015 ging der ehemalige Oberst Manfred Backerra, vor über 70 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus diesen Behauptungen nach. Der Vorsitzende der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft Hamburg (SWG), erkundete dabei akribisch das deutsche Handeln gegenüber dem Osmanischen Reich.

Backerra bezog sich dabei immer wieder auf die wichtigste Dokumentation des Völkermordes an den Armeniern, die von dem deutschen Theologen Johannes Lepsius bereits 1919 veröffentlicht wurde und auch die Grundlage für den genannten Bundestagsbeschluß bildet. Von deutscher Schuld könne im Lepsius-Bericht keine Rede sein. Vielmehr weise er englische und französische Beschuldigungen zurück: „den … Verleumdungen stehen die zahlreichen Zeugnisse … gegenüber, die von dem unermüdlichen Eintreten der deutschen Konsuln für die Deportierten, von der aufopferungsvollen Notstandsarbeit deutscher Missionare und Missionarinnen und von dem erfolgreichen Eintreten deutscher Offiziere zum Schutz bedrohter Armenier ablegen.“

In der ganzen Dokumentation von kleingedruckten 500 Seiten gebe es nicht einmal die Andeutung eines Versuchs der Reichsregierung, die Flut ständiger, teilweise täglicher Berichte einzudämmen oder deutsche Militärs und Zivilisten zur Zurückhaltung anzuhalten. Im Gegenteil billigte oder unterstützte sie deren Eintreten für die Armenier. Warnungen, Bitten und Vorschläge zum Schutz der Armenier wurden umgehend beantwortet oder befürwortend und mit dem Auftrag zu intervenieren an die Botschaft weitergeleitet. Beispielsweise erhielt die Botschaft eine von Lepsius unterschriebene Warnung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft an das Auswärtige Amt noch am selben Tag, eine andere, die an den Reichskanzler und von dort ans Auswärtige Amt ging, innerhalb von fünf Tagen. Auf letztere meldete der Botschafter schon nach drei Tagen, mit der türkischen Regierung bereits „eine äußerst scharfe Sprache geführt“ zu haben, aber auch: „Proteste nützen nichts, und türkische Ableugnungen, daß keine Deportationen mehr vorgenommen werden sollen, sind wertlos.“

Das Deutsche Reich, so Backerra abschließend, sei im Krieg einem existenziell wichtigen Verbündeten so in die Arme gefallen, wie es keiner der Feindstaaten getan hätte.  Angesichts der heute jedermann leicht zugänglichen Dokumente, reiche Ignoranz zur Erklärung dieses Rufmordes am deutschen Handeln 1915-1918 durch den Bundestag in keiner Weise aus.

2017-05-19T11:33:52+00:00