Schrenck-Notzing: Netzwerker und Ideengeber der Konservativen in Deutschland (Video & Podcast)
Alexander Eiber stellte seine Biographie über Caspar von Schrenck-Notzing vor

Alexander Eiber spricht über Leben und Werk des konservativen Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing
Der Politikwissenschaftler und Historiker Alexander Eiber hat am 5. November 2025 seine neue Biographie Caspar von Schrenck-Notzing – Konservatives Denken und Leben in Deutschland nach 1945 vorgestellt. Schrenck-Notzing, 1927 in eine Familie alten Münchner Patrizieradels hineingeboren, war als Autor und Herausgeber der Zeitschrift Criticón eine Schlüsselfigur des Konservatismus in der Nachkriegszeit.
Als einer der ersten habe Schrenck-Notzing das Aufkommen einer „neuen Linken“ analysiert, so Eiber. Diese Linke habe sich nicht mehr um soziale Fragen und die Belange der Arbeiterklasse gekümmert, sondern eine Revolution in den Köpfen der Intellektuellen angestrebt. Zeit seines Lebens sei es Schrenck-Notzing ein Anliegen gewesen, dieser Kulturrevolution von 1968 etwas entgegenzusetzten und die verschiedenen konservativen Strömungen und Denker in Deutschland zusammenzubringen. Gleichwohl müsse konstatiert werden, daß eine Konterrevolution gegen 1968 nie stattgefunden habe.
Daß in Deutschland heute eine linke Hegemonie bestehe, habe auch mit dem „mentalen Souveränitätsverlust“ nach 1945 zu tun, führte Eiber weiter aus. Die Umerziehung durch die Alliierten in West-Deutschland sei Teil einer neuen liberalen Welle gewesen, die den Boden für die 68er-Revolution bereitet habe. In diesem Zusammenhang habe Schrenck-Notzing die Anstrengungen des US-Senators Barry Goldwater (1909–1998) begrüßt, die konservative Bewegung in den USA zu erneuern und zu revitalisieren.
Konservativ zu sein bedeutete für Schrenck-Notzing, die Wirklichkeit, wie sie ist, als Ausgangspunkt des politischen Handelns anzuerkennen statt zu versuchen, Wirklichkeit zu konstruieren, wie das Anhänger linker Utopien versuchten. Eine konservative Haltung würde sich in politischen Ausnahmezuständen in der Weise beweisen, daß Konservative situationsgerechte Antworten auf bedrohliche Lagen fänden.
Schrenck-Notzing habe einen Konservatismus vertreten, der als „modern“ verstanden werden könne, da er von den Zielen der bürgerlichen Nationalrevolutionäre von 1848 ausging, die antiständisch waren und in Staat und Armee Säulen der Nation sahen. Dies habe er mit einer zeit- und kulturkritischen Haltung verbunden, die von Skeptizismus gegenüber den modernen gesellschaftlichen Entwicklungen geprägt gewesen sei. Die Suche nach Ordnung sei unter diesen Umständen zentrales konservatives Anliegen.
Um die Weiterführung seiner Anliegen zu ermöglichen, gründete Caspar von Schrenck-Notzing im Jahr 2000 die Förderstiftung für Konservative Bildung und Forschung (FKBF). 2009 verstarb er in München. Seine Privatbibliothek bildete den Grundstock der Bibliothek des Konservatismus, die 2012 in Berlin-Charlottenburg eröffnet wurde.
Sehen Sie hier den Vortrag in voller Länge:
Hören Sie den Vortrag in unserem Podcast Forum entweder direkt hier, bei Spotify oder Apple Podcast.