Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung

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Heinz Theisen sprach über mögliche Strategien des „Westens“ in der neuen Weltordnung

Heinz Theisen in der BdK

Am 27. September 2017 stellte Professor Heinz Theisen sein neues Buch „Der Westen und die neue Weltordnung“ vor etwa 70 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus vor. Der Kölner Politikwissenschaftler plädierte für eine außenpolitische Neuorientierung Deutschlands und Europas, denn vom verkündeten „Ende der Geschichte“ und einer universalen liberalen Weltordnung unter westlicher Führung sei nicht viel übrig geblieben. Im Gegenteil gebe es derzeit keine erkennbare Ordnungsstruktur der internationeln Staatenwelt. Theisen sieht die Welt zwischen drohendem Chaos und einer noch nie dagewesenen wechselseitigen Abhängigkeit lavieren.

Zu dieser Destabilisierung habe der Westen mit seinen Interventionen in Afghanistan, Irak und Libyen, der indirekten Einmischung in Syrien und den Angeboten an die Ukraine selbst am meisten beigetragen. Migrantenströme, Terrorismus und die gescheiterte Sicherheitspartnerschaft mit Rußland seien die Folgen, unter denen Europa am meisten zu leiden habe. Der Versuch, westliche Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Trennung von Staat und Kirche, Demokratie etc. zu universalisieren und anderen Kulturen aufzuzwingen, habe die zu erwartenden Gegenreaktionen erzeugt. Dieser unipolare Ansatz ist für den Politikwissenschaftler ursächlich für die neue „Weltunordnung“.

Dennoch, so Theisen, hätten die Staaten des Westens mit ihren Werten und ihrem Selbstverständnis genügend Potential, um Lösungen für die derzeitigen Problemlagen zu entwickeln. Der Politikwissenschaftler wirbt für eine neue Doppelstrategie, durch die der Westen eine größere Stabilität gewinnen und sich in die multipolare Weltordnung besser einfügen könne. Es sei nötig, so Theisen, besonders in Deutschland und der Europäischen Union zu einer „Selbstbegrenzung nach außen und einer Selbstbehauptung nach innen“ zu finden. Nur so könnte eine nach innen national vielfältige und nach außen begrenzte und gesicherte Europäische Union ein Pol in einer multipolaren Weltordnung sein.  Eine solche multipolare Ordnung würde unterschiedlichen Kulturen das Recht auf unterschiedliche Werteordnungen einräumen. Zugleich würde sie mehr Respekt für die unterschiedlichen sozio-ökonomischen Systeme und deren Entwicklung sowie für die nationale Souveräne und die Nicht-Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten fördern. Doch dazu müsse der Westen, so Theisen abschließend, zu einer  „Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung“ finden, anstatt weiter der „illusionären Universalisierung seiner Werte“ anzuhängen.

 

 

2017-09-29T18:36:58+00:00