Markus Schürer über Menschenwürde und Menschenpflicht

Ingo Langner im Gespräch mit Markus Schürer

Am 31. August 2022 stellte der Historiker und Literaturwissenschaftler Markus Schürer sein Essay „Menschenwürde und Menschenpflicht“ aus der aktuellen Ausgabe von CATO – Magazin für neue Sachlichkeit (5/2022) vor. Schürer unternimmt in diesem Essay einen Streifzug durch das anthropologische Denken Europas. In dem anschließenden Gespräch mit dem Autor stellte der CATO-Chefredakteur Ingo Langner noch einmal heraus, wie sehr das tradierte abendländische Menschenbild den transhumanistischen Entwürfen der Gegenwart widerspricht.

Ausgehend von zwei Figuren aus Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ eröffnet Schürer seinen Gang durch die abendländische Geistesgeschichte. Dabei stehe der Aufklärer Lodovico Settembrini auf der einen und der religiöse Eiferer Leo Naphta auf der anderen Seite – beide repräsentierten zwei grundlegende Denktraditionen Europas, denen Schürer im Folgenden nähere Betrachtung schenkt. Zentral sei dabei die Frage nach der theozentrischen und anthropologischen Verfaßtheit des Menschen, so Schürer. Um zu verdeutlichen, daß in der abendländischen Tradition der Sündenfall aus der christlichen Theologie den Ausgangspunkt des Nachdenkens über den Menschen bilde, zieht Schürer eine Abhandlung von Lotario di Segni, dem späteren Papst Innozenz III., heran. Dieser weise auf die grundsätzliche Ungenügsamkeit einerseits und die Würde des Menschen andererseits als seine Hauptwesensmerkmale hin. Bis in die Renaissance hinein sei diese explizite Bindung des Menschenbildes an die christliche Tradition prägend gewesen. Erst durch die Renaissance sei die sogenannte anthropologische Wende eingetreten, die den Menschen aus seiner metaphysischen Bedingtheit herausgelöst und dadurch den Verlust eines transzendentalen Bezugs begünstigt habe. Stellvertretend für dieses Weltbild weist Schürer auf den Dichter und Humanisten Petraca hin. Infolgedessen sei es zu einer Unvereinbarkeit von einem theozentrischen und einem anthropologischen Menschenbild gekommen.

Ausgehend von diesen Beobachtungen hebt Schürer hervor, daß auch wenn sich die äußeren Umstände geändert haben, die Frage nach der Verfaßtheit des Menschen immer die Grundlage der europäischen Weltsicht bilden solle und daher ins öffentliche Bewußtsein gerückt werden müsse.

Das Video des Vortrags sehen Sie demnächst hier auf unserer Seite.