Plädoyer für einen fairen politischen Wettbewerb (Video & Podcast)
Werner Patzelt sprach über die Gründe für Entstehung und Erstarken der AfD

Werner Patzelt spricht über den Aufstieg der AfD
Am 20. August 2025 präsentierte der Politikwissenschaftler Werner Patzelt sein Buch Deutschlands blaues Wunder – Die AfD und der Populismus. Das Buch stellt systematisch dar, was an Studien und Literatur zu der Partei Alternative für Deutschland (AfD) vorhanden ist, und soll umfassend über sie informieren. Patzelt legt darin auch die Gründe für die Entwicklung der AfD dar, kritisiert aber auch jene, die für das Entstehen und Erstarken der Partei verantwortlich sind.
Vor diesem Hintergrund verwies Patzelt auf die nachhaltige Weigerung der etablierten Parteien und Medien, sich mit den Gründen des Aufstiegs der AfD auseinanderzusetzen. „Verstehen verboten“, scheine der Grundsatz der Auseinandersetzung zu sein. Diese Haltung könne mit einem Vers von Christian Morgenstern treffend beschrieben werden: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf“.
Patzelt konnte vor Ort in Dresden über viele Jahre beobachten, wie die Voraussetzungen für das Erstarken der AfD entstanden. Von 1992 bis zu seiner Emeritierung 2019 hatte er den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich an der Technischen Universität Dresden inne. Patzelt führte die Pegida-Spaziergänge in Dresden als Schlüsselereignis an, die 2014 begannen. Sie seien Ausdruck von Unzufriedenheit mit der Einwanderungspolitik gewesen. Die AfD habe die Positionen von PEGIDA politisch vertreten, daher spricht Patzelt von einem „PEGIDA /AfD-Komplex“, der am Anfang des Aufstiegs der AfD gestanden habe.
Laut Patzelt wäre die richtige Reaktion auf PEGIDA und AfD gewesen, sich auf die Funktionslogik pluralistischer Demokratie zu verlassen und anhand ihrer Spielregeln zu agieren, was eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Forderungen nach einer strengeren Einwanderungs- und Integrationspolitik bedeutete hätte. Doch die abwehrende Reaktion und die Verweigerung der Auseinandersetzung mit den inhaltlichen Ursachen des PEGIDA/AfD-Komplexes hätten zu einem Erstarken dieser Bewegung geführt und so den Rechtspopulismus gefördert.
Dabei stammten große Teile des AfD-Programms von der CDU. Ein nennenswerter Teil der Funktionäre der AfD sei früher bei der CDU gewesen, und ein großer Teil der AfD-Wählerschaft seien ehemalige CDU-Wähler. Doch weil die CDU das nicht rechtzeitig begriffen habe, werde sie jetzt von Grünen und Sozialdemokraten am Nasenring durch die politische Landschaft gezogen.
Doch auch bei der AfD sieht Patzelt Korrekturbedarf. Schon in der Vergangenheit habe er die AfD vor einer Radikalisierung gewarnt. Seit ihrer Gründung gebe es Auseinandersetzungen zwischen gemäßigten und radikalen Kräften. Dabei habe sich stets der jeweils radikalere Teil durchsetzen können, was zum Beispiel auch an der Abfolge der Parteivorsitzenden ablesbar sei. Rhetorische Mäßigung sei angezeigt.
Um zu verhindern, daß die politische Kultur im Land dauerhaft Schaden nimmt, plädiert Patzelt für einen Umgang mit der AfD gemäß den Spielregeln unseres politischen Systems. Zu den Prinzipien pluralistischer Demokratie gehöre es, sich mit der AfD inhaltlich auseinanderzusetzen, was auch bedeute, sich vor einem Millionenpublikum mit der AfD zu messen. Das sei der Kern des legitimen politischen Wettbewerbs in einer pluralistischen Demokratie.
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