„Wir brauchen einen geistigen Neubau Europas!“

//„Wir brauchen einen geistigen Neubau Europas!“

David Engels über die Renovatio Europae

David Engels

Am 6. August 2019 sprach David Engels über den von ihm herausgegebenen Sammelband „Renovatio Europae – Für einen hesperialistischen Umbau Europas“. Der belgische Althistoriker plädierte für die Notwendigkeit eines geistigen Neubaus Europas. Die Europäische Union sei in einer zweifachen Krise, sowohl institutionell als auch zivilisatorisch. Die Frage sei, wie man mit diesem Niedergang Europas persönlich und gesellschaftlich umgehe.

Der Sammelband sei ein Beitrag zu dem Versuch, so David Engels, diesen Verfallsprozeß zu verlangsamen, vielleicht aufzuhalten und bestenfalls umzukehren. Hoffnungsvolle Anzeichen sehe er in den Visegrad-Staaten, besonders in Polen, wo er derzeit lebe und forsche. Hier verbinde sich ein positives Bekenntnis zu Europa – allerdings nicht zu EU – mit einem kulturellen Konservatismus, der einen gewissen Stolz auf das ausweise, was man im Laufe der eigenen Geschichte hervorgebracht habe. Diese Kombination eines europäischen, abendländischen Patriotismus mit einem Kulturkonservatismus könne eine Basis für die von den Autoren angestrebte Renovatio Europas sein. Überall in Europa liege die gleiche Problemanalyse vor. Dementsprechend las Engels von den meisten Autoren des Buches kurze Passagen vor, um zeigen, daß Engländer, Ungarn, Deutsche, Italiener und andere hier ein gemeinsames Bekenntnis zu einem gemeinsamen Europa ablegten. Dieses Buch sei ein europäisches Projekt, mit dem Ziel, Gleichgesinnte aus ganz Europa zu verbinden, um gemeinsam eine Lösung für ein besseres Europa herbeiführen zu können.

Ihm und den anderen Autoren ginge es nicht nur um die Kritik am bestehenden Europa. Im Zentrum stehe vielmehr der Versuch, Zugangsmöglichkeiten für ein positives, alternatives Europa aufzuzeigen und einige konkrete Vorschläge für ein besseres Europa zu machen. Vorbild könnten hier die vergangenen föderalen, europäischen Großstaaten sein. Die Europäische Union nach dem Vorbild jener Vorläufer zu reformieren würde bedeuten, ihr nur noch jene Kompetenzen zuzubilligen, welche absolut notwendig für das langfristige institutionelle Überleben und die kulturelle Selbstbehauptung Europas als Ganzes seien. Alle anderen nationalen, regionalen und kommunalen Verwaltungsebenen sollten eine größtmögliche Autonomie genießen, die sie befähigt, ihre eigene Zukunft im Einklang mit ihren Traditionen und Interessen zu gestalten. In einer solchen, neuen europäischen Union sollten in allen nicht überlebenswichtigen Fragen bi- und multilateralen Abkommen innerhalb der Gemeinschaft ein Vorrang zukommen. Dieses neu zu errichtende Europa wäre nicht mehr zentralistisch von oben oktroyiert, so Engels abschließend, sondern vielmehr organisch von unten gewachsen. Es verbände in früherer europäischer Tradition den wirksamen Schutz nach außen mit einer größtmöglichen Autonomie im Inneren.

Das Video des Vortrags sehen Sie demnächst hier auf unserer Seite.

2019-08-12T14:38:09+01:00