„Sie ist ihren grundlegenden Überzeugungen stets treu geblieben“

Startseite | Veranstaltungsberichte | „Sie ist ihren grundlegenden Überzeugungen stets treu geblieben“

Hinrich Rohbohm stellte sein neues Buch über Angela Merkel vor

Hinrich Rohbohm

Seit nunmehr zwölf Jahren ist Angela Merkel Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, und wenn die Anzeichen nicht trügen, wird sie es auch nach der Bundestagswahl im September wieder sein. Wer ist diese Frau, deren Umfragewerte offenbar weder durch die anhaltende Euro-Krise noch durch die unkontrollierte Zuwanderung Hunderttausender nach Deutschland in Mitleidenschaft gezogen werden?

Hinrich Rohbohm, Reporter der Wochenzeitung Junge Freiheit, hat in seinem neuen Buch „Merkels Maske – Kanzlerin einer anderen Republik“ den Versuch unternommen, sich der teilweise unbekannten und nicht immer leicht zu durchschauenden Biographie Angela Merkels zu nähern. Am 14. Juli 2017 stellte er es vor komplett ausverkauftem Auditorium in der Bibliothek des Konservatismus vor.

Zentralen Einfluß auf Merkel hatte ihr Elternhaus, ein evangelisches Pfarrhaus. Ihr Vater Horst Kasner war überzeugter Sozialist, siedelte als Hamburger Pastor noch 1954 in die DDR über und setzte sich dort für die „Kirche im Sozialismus“ ein. Horst Kasner galt als ein Kirchenmann, der nicht in Opposition zur Staatsführung und zur Kirchenpolitik der SED stand. Er war Mitarbeiter im linken Weißenseer Arbeitskreis und  gehörte zu den progressiven Kräften innerhalb der evangelischen Kirche in der DDR (Spitzname: „roter Kasner“). Er war der Erfinder des Begriffs „Kirche im Sozialismus“. Angela Merkel fühlte sich ihrem Vater stets eng verbunden und suchte noch als Studentin seine Anerkennung. Vieles spreche laut Rohbohm also dafür, daß sich Tochter Angela ihrem Vater auch weltanschaulich verbunden fühlte.

Vor diesem familiären Hintergrund ist es für Rohbohm wenig erstaunlich, daß die Pfarrerstochter als Jugendliche zur FDJ-Sekretärin avancierte. Für viele um so erstaunlicher war es allerdings, daß sie nach der Wende zunächst zum Demokratischen Aufbruch (DA) fand, also einer Partei, die zusammen mit der CDU und der konservativen DSU in der „Allianz für Deutschland“ zur Bundestagswahl 1990 antrat. Rohbohm weist indes nach, daß der DA zum mutmaßlichen Zeitpunkt des Beitritts Angela Merkels noch ein soziales und ökologisches Programm vertrat, was mit den politischen Überzeugungen der späteren Kanzlerin durchaus harmonieren würde.

Hinrich Rohbohm beschreibt Angela Merkels Weg als den einer „Reformkommunistin“. Als solche sei sie ihren grundlegenden Überzeugungen über alle politischen und biographischen Veränderungen hinweg treu geblieben. Für Rohbohm besitzt sie eine beachtliche Fähigkeit, diese Überzeugungen hinter einer „Maske“ zu verbergen und so selbst jenen Anhängern und Wählern nahezubringen, die weltanschaulich weit von ihr entfernt sind. Die kommenden Bundestagswahlen würden das, so Rohbohm, ein weiteres Mal unter unter Beweis stellen.

2017-07-19T12:30:32+00:00