Der Konservative baut auf historische Erfahrung

//Der Konservative baut auf historische Erfahrung

Christean Wagner über die Frage, was Konservatismus heute bedeutet

Christean Wagner

Am 13. Juni 2018 sprach Christean Wagner (CDU) in der Bibliothek des Konservatismus zum Thema „Was ist konservativ? Eine zeitgemäße Definition“. Der ehemalige hessische Justizminister betonte in seinem mit vielen persönlichen Beispielen angereicherten Vortrag, daß es gerade heute des Konservatismus bedürfe und sich jeder Konservative offensiv dafür einsetzen solle. Beispielhaft sei hierfür der langjährige Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, Alfred Dregger. Dieser habe sich immer klar zu seiner konservativen Haltung bekannt und sich immer als deutschen Patrioten bzeichnet, zu Zeiten, als man dafür noch als Nationalist, Deutschtümeler oder ähnliches bezeichnet wurde. Dieser Bekennermut sei nicht nur Ausweis der notwenidigen konservativen Haltung, sondern habe auch Erfolg gehabt. Die als „Stahlhelmfraktion“ beleumundete hessische CDU habe Dregger so von 20 Prozent der Wählerstimmen bis zu 48 Prozent geführt. Auch heute, so Wagner, sei es unerläßlich, daß sich der Konservative bekenne, Haltung bewahre und sich klar äußere. Das derzeit neu erwachte Interesse am Konservatismus sowohl in den Medien als auch in der Politik zeige, daß nur ein klares Bekenntnis zum Konservatismus Erfolg verspreche.

Der Konservative sei derjenige, der auf einem festen Wertefundament, den Fortschritt fördere und daher für eine Verbesserung der Welt kämpfe. Dies sei der entscheidende Gegensatz zum Reaktionär, der aus dem Gestern lebe und den Status quo verteidige. Der Konservative hänge nicht an dem, was gestern war, sondern lebe aus dem, was immer gelte. Nicht das Bestehende, sondern das Bewährte zu verteidigen sei konservativ. Fortschritt in diesem Sinne sei nicht das Neue per se, sondern dasjenige Neue, das sich bewährt habe und besser sei als zuvor. Beispielhaft führte er die Haltung vieler Westdeutscher zur Deutschen Einheit an. In den siebziger rund achtziger Jahren etablierte sich ein „neues“ Denken, welches das Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetzt streichen und die „Zweistaatlichkeit“ Deutschlands zur „neuen Realität“ erklären wollte. Hier hätten sich, so Wagner, die Konservativen immer als wahre Patrioten und Bewahrer gezeigt und seien nie vom Ziel einer möglichen Einheit abgekommen. Daher glaube er fest, daß nur eine Persönlichkeit wie Helmut Kohl die Deutsche Einheit erreichen konnte, ein linker oder progressiver Politiker hätte dies nie erreicht. Vielmehr behaupteten Sozialdemokraten heute, daß die Ostpolitik Brandts die Deutsche Einheit herbeigeführt habe. Dieser Behauptung müsse man vehement widersprechen, denn zur konservativen Haltung gehöre auch das Eintreten für die geschichtliche Wahrheit.

Zum Konservatismus gehöre auch der Patriotismus, die Liebe zum eigenen Land. Sie schaffe eine innere Bindung an die Heimat, die Gemeinschaft, die Nation und den Staat, als Voraussetzung für ein friedliches und freies Zusammenleben und überhaupt erst für die Möglichkeit, das Leben aller zu verbessern. Mit Hermann Lübbe gesprochen, eine der Patriotismus die Bürgerschaft und sei der Name einer politischen Tugend. Der Konservative verliere auch die religiöse Dimension seiner Existenz nicht aus dem Auge. Nicht nur zu wissen, wovon man lebe, sondern auch wofür, sei den Menschen wichtig, und Religion verwurzele den Menschen in seinem Sein. Auf einem festen Wertefundament, religiös verwurzelt, mit historischem Bewußtsein für die eigene kulturelle Identität und Heimatliebe, repräsentiere der Konservatismus eine Einstellung, die dem Menschen wirklich helfen könne. Der Konservative, so Wagner abschließend, stelle sich den Problemen auf der Basis der historischen Erfahrung und der konkreten Praxis. Konservativ sei also derjenige, der sich an der Wirklichkeit und den Menschen orientiere und sein Handeln nicht auf Spekulation oder Ideologie aufbaue.

2018-06-19T08:53:33+00:00