Helmut Matthies stellte sein Buch „Gott kann auch anders“ vor

Helmut Matthies

„Dein Wille geschehe“, lautet eine zentrale Bitte des Vaterunsers. Und doch sind Christen immer wieder überrascht, wenn Gott ihre Bitte erhört und die Dinge im Großen wie im Kleinen ganz anders lenkt und ordnet, als sie es sich gedacht hatten. Bei der Vorstellung seines neuen Buches „Gott kann auch anders – Und was ich sonst noch erfahren habe“ zeichnete der frühere Chefredakteur der evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, am 22. Januar 2020 nach, wie auch die Kirchen immer mehr der Versuchung erliegen, die politischen Überzeugungen ihrer Leitungsgremien mit dem Willen Gottes zu verwechseln.

Dieses Problem gibt es, so Matthies, nicht erst seit kurzem. Schon lange vor Themen wie Massenmigration und Klimapolitik, Rechtspopulismus und Energiewende, entschieden evangelische Kirchen gern, welche politische Gesinnung mit dem Glauben vereinbar sei und welche nicht. So habe sich die evangelische Kirche über Jahrzehnte praktisch gar nicht für die deutsche Wiedervereinigung interessiert und entsprechende Vorstöße aus ihren Reihen kurzerhand als „rechtsradikal“ abqualifiziert. Am 28. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer, am 13. August 1989, fand in West-Berlin ein Fürbittgottesdienst für die Wiedervereinigung – allerdings die Wiedervereinigung Koreas – statt. Von der deutschen Einheit war keine Rede, ja es wurde noch wenige Wochen der vom Mauerfall ausdrücklich vor ihr gewarnt.

Als die deutsche Einheit dann über Nacht kam, war man dort „wie gelähmt“, erinnert sich Matthies. Mit diesem Eingreifen Gottes in die Geschichte hätten die Kirchenvertreter nicht gerechnet. Überhaupt sei der Glaube an einen allmächtigen Gott aus der Kirche weithin verschwunden. Umfragen hätten ergeben, so Matthies, daß viele Pfarrer nicht mehr an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten glaubten. Wo dieser Eckpfeiler des christlichen Bekenntnisses weggebrochen sei, gebe es freilich auch keine Botschaft mehr, für die es zu missionieren lohnte. Die Kirchen verfügten dank des Kirchensteuereinzugs über das Finanzamt zwar nach wie vor über beträchtliche Vermögen, doch würden diese lieber in Gender-Institute, Flüchtlingsboote und Gleichstellungsbeauftragte investiert als in missionarische Projekte.

Daß viele Gläubige vor diesem Hintergrund mit dem Gedanken spielten, die evangelischen Landeskirchen zu verlassen, verstehe er gut, so Matthies. Wichtiger, als sich gegen einen liberalen Pfarrer oder in einer liberalen Gemeinde zu verkämpfen, sei es, eine geistliche Heimat zu finden, in der man seinen Glauben leben könne. Hierzu böten sich die „christuszentrierten“ Kirchen und Gemeinden an, die es überall in Deutschland gebe. Ein Übertritt in die römisch-katholische Kirche sehe er hingegen nicht als Alternative, zumal die Verhältnisse gerade im deutschen Katholizismus denen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bereits sehr nahegekommen seien.

In der anschließenden Aussprache legte Matthies auf zum Teil sehr persönliche Weise dar, wie Gott mitunter auch in das Alltagsleben eines Christen als der „ganz andere“ eingreift – ohne daß sich den Betroffenen der Sinn dieses Handelns erschließt: „Und wo das persönliche Verstehen an seine Grenzen kommt, da bleibt eben nur das Vertrauen: das Vertrauen, daß Gott gut und in allen Nöten gegenwärtig ist.“

Einen Mitschnitt des Vortrages finden Sie demnächst auf dieser Seite.