Stefan Blankertz über Auswege aus einer Demokratie, die zum Totalitären neigt

//Stefan Blankertz über Auswege aus einer Demokratie, die zum Totalitären neigt

Freiwilligkeit, Kooperation und Konkurrenz als Säulen der Gesellschaft von morgen

Stephan Blankertz

Stefan Blankertz

„Demokratie – das sind doch die Guten!?“ Mit sanfter Ironie eröffnete der libertäre Soziologe und Schriftsteller Stefan Blankertz am 11. März 2014 vor rund 70 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus seinen Vortrag zum Thema „Die totalitäre Demokratie und ihre Alternativen“.

Ausgehend von Ernst Jüngers Essay „Der Waldgang“ (1951) stellte Blankertz eingangs fest, daß es für ein an sein Gewissen gebundenes Individuum gleichgültig sei, ob ein unethischer Befehl aufgrund einer Führer- oder einer Mehrheitsentscheidung zustande komme. Auch die demokratische Entscheidung treffe den Bürger wie ein Befehl, gegen den ein Widerstandsrecht verfassungsmäßig nicht vorgesehen sei. Zudem träfen demokratische Mehrheitsentscheidungen stets alle Bürger, nicht nur diejenigen, die dem Beschluß zugestimmt hätten. Dabei regiere eine Demokratie weit in privateste Bereiche des Menschen hinein: Sie bestimme, was er kaufen oder verkaufen, essen oder trinken dürfe. Eine Möglichkeit des Ausstiegs aus diesem System werde nicht gewährt.

Diesem demokratischen Modell setzte Blankertz das kapitalistische Modell entgegen, das er nicht nur als Wirtschafts-, sondern als Herrschaftsform verstanden wissen will. Ganz im Sinne des Contrat social des Aufklärungsphilosophen Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) sprach er sich für eine freiwillige vertragliche Grundlegung politischer Entscheidungen aus: Diese seien dann nicht länger Befehl, sondern ein Angebot zur Kooperation, das der Bürger wählen oder zugunsten eines konkurrierenden Angebotes ablehnen könne. Entscheidungen beträfen dann auch stets nur diejenigen, die ihnen vertraglich zugestimmt hätten. Gleichzeitig ließe sich die Zuständigkeit des Staates regulieren: Innerhalb des Rahmens freier Einwilligung dürfe er alles, außerhalb nichts entscheiden.

Die anschließende Aussprache drehte sich insbesondere um die Frage, ob ein kapitalistisches Herrschaftsmodell in dieser Form überhaupt realisierbar sei. Wenn nicht, müsse die bestehende Gesellschaftsordnung nach Kräften in einem freiheitlichen Sinne reformiert werden, so der Tenor.

2017-05-19T11:34:02+00:00