Von der Studentenrevolte zur Dominanz in Bildung und Medien

//Von der Studentenrevolte zur Dominanz in Bildung und Medien

Karlheinz Weißmann über den Kulturbruch ’68 – Die linke Revolte und ihre Folgen

Karlheinz Weißmann

Am 12. März 2018 stellte Karlheinz Weißmann sein neues Buch „Kulturbruch ’68 – Die linke Revolte und ihre Folgen“ vor 120 Zuhörern in der Bibliothek des Konservatismus vor. Der promovierte Historiker zog dabei die Entwicklungslinien von der studentischen Revolte und der Formierung der sogenannten Neuen Linken in den USA für die Herausbildung und das Wirken der 68er in Deutschland heran. Ohne die Entwicklung in den Vereinigten Staaten und die Amerikanisierung der Bundesrepublik Deutschland sei die Heftigkeit von „1968“ nicht zu verstehen. Das Sprichwort „Wenn Amerika zu niesen anfängt, bekommt Europa einen Schnupfen“ sei symptmatisch für diesen Zeitabschnitt.

Weißmann verwies darauf, daß die Dominanz Amerikas in Wirtschaft und Kultur nach 1945 zu einer Modernisierung oder auch Amerikaniserung der Welt geführt habe, die besonders in Deutschland stark gewirkt und alte Traditionen verdrängt habe. Die amerikanische Neue Linke habe durch die historischen Vorgänge in der Bürgerrechstbewegung und den Vietnamkrieg eine Entsolidarisierung gegenüber dem eigenen Staat von einmaligen, nie gekannten Ausmaßen erreicht. Die deutschen 68er hätten durch Studienaufenthalte und Kontakte in die USA überhaupt erst gelernt, wie man die Basis für revolutionäree Umwälzungen schafft. Es sei bezeichnend, so Weißmann, daß die Brennpunkte der Studentenunruhen an Universitäten, die nach amerikanischem Vorbild reformiert und durch amerikanische Hilfe aufgebaut wurden (Frankfurt am Main und Freie Universität Berlin). In den alten Ordinarienuniversitäten sei die Entwicklung deutlich verhaltener gewesen. Diese Basis habe aber nicht allein ausgereicht und die Erfolge der studentischen Revolutionäre waren eher schwach, bis es gelang, den Besuch des Schahs in West-Berlin zum Zentrum der politischen Agitation zu machen. Durch den Tod des Studenten Benno Ohnesorg habe sich dann erst der revolutionäre Funke entfacht und die 68er und ihre Ideen Aufwind bekommen.  Dieser Moment sei aber bereits Anfang 1969 wieder vergangen und die Protagonisten hätten vor der Frage gestanden, was sie jetzt tun sollten. Ein Teil habe versucht, durch Kaderbildung nach bolschewistischem Muster weiter revolutionär zu agieren, eine weitere Gruppe wurde miltitant und suchte den Anschluß an den internationalen Terrorismus und eine dritte ließ sich schließlich unter dem Motto „Mehr Demokratie wagen!“ auf das Angebot der Sozialdemokraten ein, sich zu integrieren.

Diese dritte Gruppe habe die verheerendsten Langzeitfolgen ausglöst, so Weißmann. Durch die Bildungsexpansion der siebziger Jahre und die Ausweitung der Berufschancen in den Medien, seien die 68er nicht nur durch die Institutionen marschiert, sondern hätten auch neue hinzubekommen und konnten somit zur einflußreichsten Gruppe linker „Sinnproduzenten“ werden. So formierte sich die von Helmut Schelsky Ende der siebziger Jahre beschriebene „Priesterherrschaft der Intellektuellen“, die bis heute fortwirke und mit ihrem „Hypermoralismus“ (Arnold Gehlen) den Mainstream der Bildung und der veröffentlichten Meinung bestimme. Den Revolutionären der sechziger Jahre wurde so in den Siebzigern eine Dominanz in Bildungswesen und  Medien ermöglicht, die von diesen bis heute verteidigt werde. Und dies, so Weißmann abschließend, obwohl sie immer nur eine Minderheit gewesen seien und nie nennenswerte Unterstützung aus dem Volk gehabt hätten, dessen Lebenswirklichkeit sie nie verstanden hätten. Die derzeitigen politischen Entwicklungen könnten als eine Reaktion der Wirklichkeit auf die immer noch andauernde Dominanz dieser sinnproduzierende Klasse verstanden werden, die weiterhin die Realität des Lebens und der Probleme der Bürger nicht erkenne.

2018-03-13T10:35:00+00:00